Patchbay – Was ist das? – Planung – Normalisierungsarten

Patchbay – Was ist das? –  Planung – Normalisierungsarten

So langsam wird es Zeit die ganzen Kabelbündel, die aus den Wänden schauen irgendwie sinnvoll anzubringen. Wenn man es sich zunächst einfach macht, könnte man an jedes Kabelende einen passenden Stecker löten und in die entsprechenden Gerätebuchsen einstecken. Würde fürs erste auch funktionieren. Bis man eventuell auf die Idee kommt, das Mikrofon, das bis jetzt auf Mic In 1 in das Mischpult manövriert wurde, man plötzlich im Mic Input 3 des Mixers einspeisen möchte – aus welchem Grund auch immer. Nun jetzt heißt es Sporthosen anziehen, Taschenlampe und Staubwedel besorgen – und abtauchen in die unendlichen Weiten der Kabelgalaxis, Heimat vieler vom Aussterben bedrohten noch nie gesehenen Lebewesen, Zeitzeugen des Speiseplans der letzten Monate und Jahre… — um in yogaähnlichen Positionen, Arme und Beine verknotend den Mic IN Stecker von 1 nach 3 umzustecken.

Genauso könnte es dir mit vielen veränderten Signalflüssen gehen. Irgendwann würde dir die ewige Krabbelei keinen Spaß mehr machen bis dort hingehend, dass dir die ganze Tontechnik keinen Spaß mehr macht.

Abhilfe schafft hier eine so genannte „PATCHBAY.“

Eine Patchbay soll dir die Änderungen in deinem Signalfluss vereinfachen und dir die Kriecherei hinter dein Equipment ersparen. Eine Patchbay ist ein passives Stück Audioequipment mit vielen Anschlussbuchsen auf der Vorderseite und meistens Lötkontakten auf der Rückseite. Es gibt sie in unsymmetrischer, symmetrischer, günstiger und hochwertiger Ausführung. Die Variationen an Buchsenarten auf der Vorderseite und Anschlussarten auf der Rückseite sind sehr, sehr vielfältig.

Was macht nun eine Patchbay genau? Ganz einfach ausgedrückt – Alle Anschlüsse deiner Geräte in deinem Studio, egal ob Mischpult, Interfaces, Zumischeffekte, Ersetzungseffekte u.s.w. werden an einen zentralen Punkt in deinem Studio geführt – der Patchbay – dort steckst oder lötest du diese Anschlüsse an die Rückseite der PB und dir stehen somit diese Anschlüsse auf der Vorderseite zum Abgriff zur Verfügung. Je nach Art des Studios kommen da schon mal mehrere Hundert Anschlüsse zusammen. Das bedeutet aber dann auch, sich irgendwann Gedanken über die Art der zu verwendeten Patchbay zu machen.

Nehmen wir mal an, du hast ein Studio mit 300 Anschlüssen insgesamt an allen Geräterückseiten die du hast. Dann brauchst du folglich auch mindestens eine Patchbay mit 300 Anschlüssen – eher mehr, aber dazu später mehr. Es gibt 19“ Patchbays mit symmetrischen Klinkenbuchsen auf der Vorderseite. Diese sind im Allgemeinen noch recht günstig, jedoch passen auf ein Panel mit 1 HE nur 2 x 24 Buchsen – also 48 Anschlüsse. Folglich müsstest du dir mind. 7 solcher Patchbays zulegen und 7 HE in einem Rack verbauen um deine 300 Anschlüsse unter zu bringen. Besser und professioneller sind da dann schon so genannte Bantam/ TT- Patchbays. Diese haben zwar einen stolzen Preis, sind aber wesentlich robuster, halten mehr Plugs aus und sind Kontaktsicherer. Der größte Vorteil von TT-Patchbays ist aber die Platzersparnis. Da die Buchsen und Stecker sehr schmal gebaut sind, passen 96 Buchsen auf ein 1 HE Patchpanel. Somit wärst du bei 300 Anschlüssen bei nur 4 HE und hättest noch viel Platz für spätere Erweiterungen. Ist einmal alles richtig installiert, kannst du nun ganz einfach mit Hilfe eines kurzen, so genannten Patchkabels, dein Mic Signal von 1 nach 3 umstecken – Ganz bequem von Vorne und in einem Bruchteil der sonst benötigten Zeit. Wichtig ist nur noch eine ordentliche Beschriftung deiner einzelnen Patchpunkte. Sonst bist du wieder verloren.

Planung einer Patchbay

Bei der Planung einer Patchbay legt man meistens an die obere Buchsenreihe die Ausgänge der Geräte an, und an die untere Buchsenreihe die Eingänge. Dieses macht Sinn, da man sich bei der Planung gründlich Gedanken machen sollte, welcher Studiosignalfluss am meisten Sinn macht – ohne ein einziges Patchkabel verwenden zu müssen. Wie? Jetzt haben wir jede Menge Zeit und Geld in eine Patchbay gesteckt und nun soll doch alles fest verkabelt sein? – Jain – Wir geniesen nun zwar die Freiheit und Flexibilität jederzeit den Signalfluss zu ändern, doch liegt es im Gemüht des Tontechnikers faul zu sein und nicht gleich bei jedem z.B. eingesteckten Mikrofon gleich ein Patchkabel in die Hand nehmen zu müssen und auch noch einstecken zu müssen. Nein, sinnvolle Signalroutings werden auf der Patchbay „hardgepatched“ d.h. der Ausgang eines Gerätes (oberer Patchpunkt) wird auf den darunter liegenden Patchpunkt, sinnvoller Weise ein Eingang eines anderen Gerätes, durchgeschleift. Bestes Beispiel hiefür ist: Du steckst im Aufnahmeraum an der Wallbox ein Mikrofon in Eingang 1 ein. Das Mikrofonsignal liegt nun an deiner Patchbay am Patchpunkt Wall-1 an. Sinnvoll ist es nun den Mikrofoneingang von Channel1 an deinem Mischpult direkt am Patchpunkt darunter angebracht zu haben und diese zwei Patchpunkte „hardzupatchen.“

Du musst nun kein Patchkabel in die Hand nehmen. Das Mikrofonsignal wird direkt über die Patchbay in den Mic In 1 in dein Mischpult weiter geleitet.

Es gibt sehr viele sinnvolle Hardpatches. Du musst dir selbst Gedanken machen welche für dich und deine Arbeitsweise sinnvoll sind. Eine Patchbay ist so individuell wie sein Besitzer.

Nicht immer ist ein Hardpatch gewünscht. Dann lässt man ihn einfach weg. Ausführung eines Hardpatches kann gelötet sein, teuere Patchbays sind auf der Rückseite schaltbar, oder es gibt Patchbays, die fix gepatched sind – unveränderbar.

Normalisierungs-Arten

Verwendet man nun einen Hardpatch gibt es noch mehrere Möglichkeiten der Art des Hardpatches. Die gängigsten sind „halb-normalisiert“ und „voll-normalisiert.“

Voll-Normalisiert

Beim „Voll-Normalisierten“ Hardpatch steht einem das Signal nur einmal zur Verfügung. D.h. steckt kein Patchkabel in der oberen und unteren Buchse, so wird das Ausgangssignal wie oben beschrieben an den unteren Patchpunkt durchgeschleift. Greift man nun an der oberen Buchse das Signal ab, so wird der Hardpatch unterbrochen und das Signal liegt nun an dem anderen Ende meines Patchkabels an und kann irgendwo anders hin geleitet werden.

Steckt man in die untere Buchse ein Patchkabel, so wird der Hardpatch auch unterbrochen. Dies macht z.B. Sinn bei Mikrofoneingängen vom Mischpult. Wenn man wo anders her dort was einspeisen möchte, aber auch zufällig am Patchpunkt darüber ein Signal anliegt, vermeidet man Störungen, Fehler oder sogar Zerstörung der Vorverstärker.

Halb-Normalisiert

Beim „Halb-Normalisierten“ Hardpatch wird dieser nur beim Einstecken in die untere Buchse unterbrochen. Steckt man in die obere Buchse ein Patchkabel, so wird das Signal trotzdem an den unteren Patchpunkt durchgeschleift. Gleichzeitig liegt das Signal an dem anderen Ende meines Patchkabels an. Das Signal steht somit zweimal zur Verfügung. Man kann es dort abgreifen und parallel in den Eingang eines weiteren Gerätes schicken.

Offene Ausführung

„Offen“ bedeutet einfach – kein Hardpatch. Der obere und der untere Patchpunkt haben von sich aus keine Verbindung.

Parallel-Verbindung

Diese Art des Hardpatches stellt eine Vervielfachung des Signals dar. Die Patchpunkte sind so miteinander verbunden, dass an mehreren Buchsen das gleiche Signal anliegt, und zwar egal an welchen der betroffenen Punkte mein Input Signal anliegt.

Ich hoffe wir konnten euch ein bisschen in die Welt der Patchbays versetzen und es war was Nützliches für den ein oder anderen dabei. Im Anschluss noch ein paar Bilder von unseren Lötsessions und unserer Patchbay. Wir haben 6 Stck. 96er TT-Patchbays voll bestückt. Das macht 6 x 96 x 5 Lötpunkte = 2880 Lötpunkte. Und auf die andere Seite müssen auch noch die passenden Stecker. Geschätzt haben wir ca. 6000 Lötstellen zu bewältigen gehabt.

Bis bald zum nächsten Blogbeitrag

Simone und Thomas

 Patch1
all diese Kabel müssen nun irgendwo hingelötet werden.

 Patch2
es sieht mehr durcheinander aus als es ist. Wir haben alles im Griff 🙂

 Patch3
Lötpatchbay von hinten. Vorne befinden sich die TT-Buchsen.

Das wars erst mal wieder von der Soundhouse7 Baustelle.

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Viele lötende Grüße

Simone und Thomas
http://www.soundhouse7.de

Planung der Studioverkabelung (Hinterwandverkabelung)

Planung der Verkabelung

Die Zwangs-Faschingspause ist vorbei und es kann endlich wieder weiter gehen auf unserer Soundhouse7 Baustelle und mit unserem dazugehörigen Blog.

Heute geht es um die Planung der Studioverkabelung.

Vorab möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass jede Studioverkabelung so individuell wie sein Studiobesitzer ist und somit die hier erläuterte Planung eben auf unser Studio zugeschnitten ist. Jedoch gibt es ja rein von den Möglichkeiten oder Arten von Kabeln nicht so viele Gruppierungen.

Bei der Planung eines Tonstudios muss man sehr viele Dinge beachten, bedenken und berücksichtigen. Das ging ja schon los mit dem bürokratischen Kram über den Schallschutz, den vielen kleinen baulichen Herausforderungen bis jetzt eben der Planung der Kabel. Und spätestens jetzt muss einem endgültig klar sein, wie sein Studio später auszusehen hat und welche Funktionen es nach dem Bau, aber auch in weiterer Zukunft haben soll. Das Problem ist, dass wir uns noch in einem recht frühen Stadium des Studiobaus befinden, wir aber jetzt schon wissen müssen, welche Kabel und wie viele davon und vor allem wo gebraucht werden.

Die Wände sind noch offen und hinter diese sollen nun Kabel verlegt werden, an die man später nicht mehr oder nur sehr schwer heran kommt. Das Studio soll kommerziell genutzt werden und es kommt sehr uncool im fertigen Zustand lose Kabel oder Sichtkabel zu haben.

Mit der Planung der Kabel kommt also spätestens jetzt zugleich die Planung der Möbel, des Equipments, Platzierung der Patchbay, Abhören usw. hinzu. Mit einem Auge sollte man aber auch immer auf die Zukunft schauen. Was will ich später mal in meinem Studio alles machen? Wo kann es mal hingehen? Klar hat niemand von uns eine Glaskugel in der man sehen kann, was die Zukunft für Aufträge bringt oder welche technischen Neuerungen die Industrie die nächsten Jahre bereithält. Ihr merkt schon, an diesem Punkt des Baus sollte man ruhig eine kleine Pause einlegen und mit Bedacht sein Vorhaben nochmals genau überdenken.

Jetzt wird vielleicht der ein oder andere sagen: „wieso? Schmeiss ich halt ein paar Leerrohre rein und fertig. – kann ich dann immer noch was nachziehen wenn ich es brauche“

Nun das wollen wir aus ein paar Gründen vermeiden:

1. Leerrohre= immer eine mögliche Schallbrücke. Wenn man diese mit diversen Schallknicken einbaut erschwert es wieder das Nachziehen neuer Kabel.

2. Wie dick sollte man denn ein Leerrohr wählen? Wählt man es zu dick ist es ein immer größerer negativer Schalldämmfaktor, wählt man es zu dünn bringt es einem auch nicht viel, wenn man später nur 1 bis 2 Kabel durchbringt.

3. Wohin mit den Leerrohren? Ein Leerrohr bringt  mir an einer falschen Stelle später auch nicht viel.

Wir haben uns dazu entschlossen, die Verkabelung ganz genau und mit sehr vielen Reserven zu planen und zu verlegen. Wir verzichten auf Leerrohre und werden die Wanddurchbrüche direkt mit den durchgehenden Kabeln abdichten.

Es geht nun um die Planung der Kabel die hinter die Wand kommen. Nicht zu verwechseln mit der Rackverkabelung oder die Verkabelung später in einem Aufputz-Kabelkanal. Das kommt später dran. Nein rein die Kabel in der Wand.

Bleibt nun erst einmal die Überlegung was für Kabel in ein Tonstudio kommen können. Als erstes natürlich die normale Stromversorgung, die Lampen, die Lichtschalter u.s.w. – Steckdosen werden wir später in einem auf dem Boden entlangfahrenden Kabelkanal einbauen. Hier hat man später auch die Möglichkeit je nach Bedarf Steckdosen oder Netzwerkanschlüsse einzubauen.

Zweitens selbstverständlich die Audiokabel. Da die Kabel alle durch die Bank hinter der Wand verschwinden und auch eine Weile halten sollen, haben wir uns für hochwertige Multicores von Sommercable entschieden. Ich kann über diese Firma nur positives berichten. Die Qualität ist super und der Service und die Logistik absolut professionell.

 Sommercable

Man überlegt sich nun genau wo man wie viele Audioanschlüsse braucht und errechnet sich dann die benötigten Meter je Multicore. Wählt bei den Multicores immer eine oder besser zwei Nummern größer. Dann habt ihr genügend Reserve für event. Erweiterungen oder als Ersatzweg falls mal ein Kabel den Geist aufgibt.

Multicores

Die Verlegung der Kabel behandeln wir im nächsten Blog.

So wir haben nun Strom und Audio. Fehlt als nächstes das Netzwerk. Netzwerkkabel kann man für die verschiedensten Sachen gebrauchen und gehören generell in die Wand mit eingebaut. Auch wenn man es nicht gleich braucht – rein damit. Du kannst damit z.B. ein Computernetzwerk betreiben, Internet, Netzwerkkameras oder über einen Server arbeiten. Es gibt da sehr viele Möglichkeiten.

Wer in seinem Studio später auch mit Bild arbeiten möchte, auf den kommt nun das leidige Thema der Bildübertragung hinzu. Es gibt unzählige Standards und Anschlussmöglichkeiten, dass man sich selbst schlau machen muss was man davon braucht und was nicht. Nicht zu unterschätzen ist auch der Qualitätsverlust bei z.B. HDMI u.s.w. wo nach einer schon geringen Meterzahl wieder Zwischenverstärker oder gleich Verstärkerkabel nötig werden können. Man muss sich genau überlegen, in welchem Aufnahmerraum und an welcher Stelle später ein Monitor platziert werden soll und was man später an diesen senden möchte.

Zum Thema Bildübertragung im Studio könnte man selbst ein ganzes Buch schreiben. Event. gehen wir da noch mal gezielt in einem Blog darauf ein.

So was haben wir nun alles geplant?

Strom, Audio, Video, LAN,

fehlen nur noch die Lautsprecherkabel. Lautsprecherkabel benötigen wir überall dort, wo später einmal passive Boxen montiert werden sollen – oder als Throughline Weg von der Regie in die Aufnahmeräume falls man einmal ein verstärktes Gitarrensignal oder ähnliches von der Regie in einen Aufnahmeraum schicken möchte. Dies ermöglicht es einem z.B. mit dem Gitarristen bequem in der Regie bei angenehmer Mischung und Abhörlautstärke einzuspielen, während im Aufnahmeraum die Lautheitshölle losbricht.

Zusammengefasst haben wir nun folgende Kabel geplant:

– Stromversorgung

– Audioverkabelung

– Videosignale (verschiedenste Standards)

– LAN Kabel

– Lautsprecherkabel

– Erdungskabel

 KabelKomplett

wie wir nun diese fast 2 km Kabel verlegt haben kommt im nächsten Blog.

Wir werden auch noch näher auf die Erdung eines Tonstudios eingehen.

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Viele verkabelte Grüße

Simone und Thomas

Der Killer der Schalldämmung – WASSER –

Hallo zusammen,

in unserem Samstags-Blog gehe ich heute direkt auf eine Mail ein, die mich heute von einem Mitverfolger unseres Blogs erreicht hat.

Er hat mich auf einige Dinge aufmerksam gemacht, die wir unabsichtlich übergangen haben, dennoch enorm wichtig sind.
Neben den ganzen Schallschutz- und Akustikmaßnahmen darf man natürlich die üblichen Bauphysikalischen Maßnahmen nach Stand der Technik nicht vernachlässigen.

Ich fange mit einem Erlebnis aus meiner Praxis an:
In einem Gebäude, in dem sich mehrere Regie- und Aufnahmeräume befinden haben ich und auch andere dort Arbeitende festgestellt, dass die Schalldämmung irgendwie mit der Zeit immer schlechter wird. Dass dies so ist bestätigt eigentlich jeder der schon länger in dem Gebäude arbeitet, da wir den Vergleich über Jahre hinweg ziehen können. Was kann denn der Grund dafür sein?

Meine Vermutung ist die fehlende oder mangelhaft ausgeführte Dampf- oder Feuchtigkeitssperre.

In Studioräumen entsteht durch Abwärme der Studiogeräte, der schwitzenden und triefenden Musikern und der Atemluft von nicht selten 7-8 Bandmitgleidern in einem etwas zu klein geratenen Schuhkarton, eine enorme Menge an Feuchtigkeit, die sich Gasförmig in der Raumluft aufhält. Diese feuchte Luft dringt durch die Wandschichten und wird am sogenannten Taupunkt wieder zu flüssigem Wasser. Man nennt es auch Kondenswasser. Besonders in der Bautechnik ein heiß diskutiertes Thema und die Baurichtlinien und Vorschriften hierzu werden öfters gewechselt wie mancher Musiker seine Unterwäsche :-)) Nicht selten findet man bei Sachverständigen-Untersuchungen triefend nasse Dämmungen vor.
Besonders problematisch sind Wände an derer beiden Seiten ein sehr großer Temperaturunterschied herrscht – z.B. Außenwände. Hier kann es im Winter locker mal ein Temperaturunterschied von 40 Grad oder mehr geben. Klar ist, dass die Luftfeuchtigkeit ,die bei 22 Grad Raumtemperatur Gasförmig ist und durch die Außenwand nach außen drängt irgendwann eine Temperatur vorfindet bei der sie flüssig wird. Blöd wenn das dann gerade in der Wärmedämmung stattfindet.
Auch zur Schalldämmung verwenden wir Mineralfaserdämmstoffe und diese arbeitet eben nur am besten, wenn diese knochentrocken ist. Wird die Dämmung nass verliert die Mineralwolle schnell 50% seiner Wirkung oder gar komplett.

Durch aufwendige Berechnungen kann man den Wandaufbau so gestalten, dass sich der Taupunkt außerhalb der Dämmung oder gar erst außerhalb der Wand befindet. Ganz auf Nummer sicher geht man wenn man eine so genannte Dampfsperre einbaut. Eine Dampfsperre ist aus einem Material, welches keine feuchte Luft durchlässt. Meistens eine dünne Folie. Diese muss unbedingt absolut dicht verklebt an alle gedämmten Bauteile angebracht werden und darf keinerlei Schwachstellen aufweisen. Somit verhindert man, dass Feuchtigkeit in die Wand eindringen kann und bei gleichbleibender Temperatur bleibt das Wasser weiterhin Gasförmig. Klar ist nun, dass das immer schlechter werdende Raumklima durch Klimaanlagen und Frischluftzufuhr ausgeglichen werden muss. Auch in unserem Studio sind diese Maßnahmen geplant. Wir werden diese zu gegebener Zeit in separaten Blogs detailliert behandeln.

Da unser Studio sich in einem Kellergeschoss befindet, haben wir schon beim Bau die komplette Bodenplatte gegen aufsteigende Feuchtigkeit mit einer Schweißbahn G-200 S4 vollflächig abgedichtet. Inkl. einer Aufkantung bis 5cm über Oberkante Estrich. Die Außenwände sind gegen eindringende Feuchtigkeit von außen gestrichen und mit Noppenmatten abgestellt, da die Außenwände komplett mit Erde eingeschüttet sind.

Uns ereilte auch noch eine Frage zu unserem verwendeten Holz.
Das Holz ist selbstverständlich farblos imprägniert. 

Ihr seht, es braucht keinen Tsunami oder einen Wasserrohrbruch um euer Studio unbrauchbar zu machen. Das gemeine Wasser welches man nicht sieht,ist in geringen Mengen mit dem nötigen Zeitfaktor ein möglicher Killer eurer Schalldämmung.

Kleiner kurzer Tipp:

Dampfsperre auf jeden Fall einbauen. Bei Außenwänden auf die wärmere Wandseite. (Das ist in unseren Regionen meistens innen)

Viele Grüße

Simone und Thomas

Ein paar Schritte zurück: DIE BAUGENEHMIGUNG

Die Baugenehmigung

Hallo liebe Baugemeinde:-))

Der heutige Blog katapultiert uns nochmals zurück an die Ursprünge des Seins. Viele Zuschriften kamen bei uns rein um zu Fragen wie es denn bei uns mit der Genehmigung gewesen sei. Dies hat uns nun veranlasst einen Blog darüber zu verfassen. Für die Praktiker unter uns ein sicher sehr trockenes Thema, aber dafür um so wichtiger. Auch für die, welche nur ein Hobbyzimmer betreiben ist dieser Blog interessant.

Die Vorschriften und Gesetze von unserem Staat/unserem Land/unserer Gemeinde usw. 🙂

wenn man ein Studio bauen möchte…

(Hierzu eine kleine Vorbemerkung: Dies sind die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sie beziehen sich auf unsere Situation – jeder Tonstudiobau hat eine andere Situation. Wir hoffen, ihr könnt Anregungen und Wissen  daraus mitnehmen – aber für das eigene Studio im Zweifelsfalle IMMER bei den Ämtern nachfragen. Wir sind hier in Baden-Württemberg – in Nordrhein-Westfalen kann (muss aber nicht)  das schon alles wieder anders geregelt sein.)

Wir gehen hier auf die (doch recht interessante Situation) gewerbliches Tonstudio in einem Wohngebiet ein.

Wir haben 2004 ein Haus gebaut. Ein Studio wurde in dem Zuge gleich im Rohbau im Keller angelegt. Das heißt, wir haben einen separaten Eingang gebaut, einen Aufenthaltsraum, einen Regie- und einen Aufnahmeraum. Gleichzeitig wurde eine Gästetoilette mit eingebaut.

Zu dem Zeitpunkt des Hausbaus wurde das Studio als Hobbyraum deklariert.

Um nun auf eine gewerbliche Nutzung umzusteigen, war in unserem Falle ein „Nutzungsänderungsantrag“ beim Bauamt des zuständigen Landratsamtes  nötig.

Der Entschluss ist gefasst: Wir wollen endlich unser Rohbau-Studio ausbauen, und gewerblich nutzen!

Sehr schnell landet man dann wieder auf dem Boden der Tatsachen, wenn man nun an den bürokratischen Aufwand denkt – aber was nicht tötet, härtet ab!!

Vollen Mutes wendeten wir uns an……. ja…… wohin eigentlich?? Wer ist der erste Ansprechpartner, wenn man ein Studio einrichten möchte und sich natürlich auch an die deutschen Vorschriften und Vorgaben halten möchte? (wie auch immer die sein mögen – soweit waren wir ja noch gar nicht)

Die wichtigste Definition für einen Studiobau lautet:

1. Wird es ein gewerbliches Studio oder ein privater Hobbyraum?

Bei einem privaten Hobbyraum hängt es doch meist von der Toleranz der Mitmieter/Nachbarn ab – es besteht zwar keine Meldepflicht, aber man sollte sich durchaus einmal mit den rechtlichen Vorschriften auseinandersetzen, um Problemen vorzubeugen. Wenn man beginnt, regelmäßig Leistungen gegen Bezahlung zu erbringen, rutscht es ins Gewerbe ab (aber das ist jetzt Steuerrecht)

In unserem Falle soll aus den gemeldeten Hobbyräumen ein gewerbliches Studio werden. Um nun auf eine gewerbliche Nutzung umzusteigen, war in unserem Falle ein „Nutzungsänderungsantrag“ beim Bauamt des zuständigen Landratsamtes  nötig. Dies erfuhren wir auf dem Rathaus unserer Gemeinde.

2. Wo entsteht ein gewerbliches Studio? In einem Gewerbegebiet oder in einem Wohngebiet?

Wir hatten die große Hürde zu meistern, dass unser Einfamilienhaus, in dem das Studio entstehen soll, in einem reinen WOHNGEBIET liegt.

Das hieß für uns: Die Gemeinde und das Landratsamt müssen dies genehmigen.

Denn  bei einem gewerblichen Studio  ist mit Kunden  zu rechnen, (erhöhtes Verkehrsaufkommen im Wohngebiet )Ebenso brauchen die Kunden einen Parkplatz,sie machen Lärm, der Studiobetrieb an sich könnte zu laut sein etc.. Falls man die Absicht hat, Angestellte zu haben, muss man auch noch für deren Arbeitsschutz sorgen (was in unserem Falle aber noch nicht zutrifft, von daher lassen wir das mal links liegen J

Dazu wurde hier eine Ortsbesichtigung mit einem Vertreter der Gemeinde und dem zuständigen Kreisbaumeister  gemacht, wir erläuterten die Vorstellungen, wie unser Studiobetrieb ablaufen soll und wie für Schall- und Brandschutz gesorgt wird. Ebenso wurde bei der Ortsbegehung gleich geprüft, ob wir für unser Unternehmen ausreichend Parkplätze zur Verfügung stellen können.

Anschließend schickte die Gemeinde Einverständnisanfragen an die angrenzenden Nachbarn. Diese müssen das erlauben. (was sie auch taten – deswegen: immer mit den Nachbarn offen reden und sich gut stellen, damit sie wissen, das man auch ALLES dafür tut, dass die Musiker nicht schon ihre Session auf der Straße abhalten, wenn doch ein tolles Studio auf sie wartet gg – aber das bekamen wir tatsächlich zu hören )

3. Was soll in dem Studio gemacht werden? (z.B. „nur“ Einzelkünstler oder jeden Tag Big-Bands 🙂

Das war (glauben wir) das Zünglein, dass uns die Erlaubnis gegeben hat: Wir rechnen mit Publikumsverkehr, aber nur sehr begrenzt. Wir planen zwar ein gewerbliches Tonstudio, aber mit einer etwas anderen Arbeitsweise! (Zum späteren Zeitpunkt mehr dazu ) Wollten wir hier Big-Band o.ä.  produzieren – ich glaube, wir hätten keine Genehmigung bekommen!!

Wir bekamen die Genehmigung – das waren die Punkte, die dazu rein flossen.

1)    Für ausreichende Parkmöglichkeiten ist zu sorgen – je nach geschätztem Publikumsverkehr

2)    Baurechtlich hatten wir ja schon einige Vorschriften im Rohbau eingehalten: Fluchtweg, Toilette, Aufenthaltsraum, Mindesthöhe der Räume ( lichtes Maß :2,10 m)

3)    Und nun direkt aus der Baufreigabe: (einer der wichtigsten Punkte, wenn man in einem reinen Wohngebiet baut):   SCHALLSCHUTZ

Durch schall- und erschütterungstechnische Maßnahmen an den betrieblichen Einrichtungen ist sicherzustellen, dass der Beurteilungspegel der durch den Betrieb der Anlage verursachten Geräuschemissionen im Einwirkungsbereich folgende Immisionswerte  nicht übersteigt:

Im allgemeinen Wohngebiet (WA)

tagsüber: 49 dB (A)

Nachts     34 dB (A)

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen den Immissionsrichtwert am Tage um nicht mehr als 30 db(A) und in der Nacht nicht mehr als 20 db(A) überschreiten.

Die von den gewerblich genutzten Räumen ausgehenden Geräuschübertragungen innerhalb von Gebäuden und bei Körperschallübertragung (z.B. durch den Betrieb von Maschinen und Geräten) dürfen in den baulich verbundenen schutzbedürftigen Räumen folgende Immisionswerte nicht überschreiten

Tags  35 dB (A)

Nachts 25 dB (A)

Gemessen und bewertet nach Nr. 6.2. der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA-Lärm-. Kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die vorgenannten Immisionsrichtwerte um nicht mehr als 10 db(A) überschreiten.

Hierzu sind im übrigen auch die Anfahrten der Kunden mit den Autos rein zu berechnen .. ;-))

Auf gut Deutsch:  Der Geschäftsbetrieb in und außerhalb der geplanten Räume darf keinen Nachbarn stören –am besten unbemerkt ablaufen :-))))))))))))))

Nicht zu unterschätzen sind übrigens auch die Kosten, die mit so einem Bauantrag (bzw. in unserem Falle einen Nutzungsänderungsantrag) auf einen zukommen. Wir haben für den grünen Schein 150 Euro gezahlt.

So geschafft – ich hoffe ihr habt was Neues erfahren oder habt wenigsten eine Kleinigkeit mitnehmen können.

Im nächsten Blog wird es dann wieder praktisch zugehen. Im Augenblick planen wir die Kabel (welche, wieviele davon und wohin – sehr,sehr wichtiges Thema) – aber dazu mehr im nächsten Blog.

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viele rockige Grüße

Simone und Thomas

Der Aufbau der Wände

Der Aufbau der Wände

Jetzt geht es in die theoretische, praktische Planung. An erster Stelle steht nun die Schalldämmtechnische Planung des zukünftigen Studios.

Wie in den meisten Fällen haben auch wir um unser neues Studio als allererstes ein Haus gebaut. Nicht immer hat man Einfluss auf die Beschaffenheit der nun vorliegenden Wände. Die meisten bauen ihr Studio wahrscheinlich in ein bestehendes Gebäude ein. Es ist nun wichtig die Art und die Stärke der Wände festzustellen. Danach kann man anhand von Tabellen oder Büchern die flächenbezogene Masse der Wand und das bewerte Bau-Schalldämmmaß nachlesen. Das BSdm ist ein frequenzunbeachteter, gemittelter Wert, der das Schalldämmaß für einschalige Bauteile beschreibt. Das bewertete Schalldämm-Mass

Rw und R’w ist die Einzahl-Angabe zur Kennzeichnung der Luftschalldämmung von Bauteilen.

Das bewertete Schalldämm-Mass Rw und R’w beruht auf der Bestimmung des Schalldämm-masses mittels Terzfilter-Analyse. Zahlenmässig ist Rw und R’w der Wert der entsprechend DIN EN ISO717-1 um ganze dB verschobenen Bezugskurve bei 500 Hz. Dieser kann allerdings nur als Richtwert dienen, da wie gesagt Frequenzen nicht beachtet werden und ein Bauteil mit tiefer werdender Frequenz immer schlechter dämmt. In der Praxis hängt die Schalldämmung auch noch vom Aufprallwinkel und natürlich von der Intensität des Audiosignals ab. Es gilt wie immer die Regel:

Je höher die Masse, desto besser die Schalldämmung auch im tieffrequenten Bereich und bei höheren Schalldrücken.

Es wäre ja schön, wenn die Schalldämmkurve einer Wand einen gradlinigen Verlauf aufweisen würde. Leider ist dieser logarithmisch und hat sogar noch einen Einbruch zu verzeichnen, bei dem die Wand extrem schlecht dämmt: und zwar an der Resonanzfrequenz oder Biegewellenresonanz. Diese ist von der Dicke der Wand und natürlich der Art des Materials abhängig. Bestes Beispiel ist das Glas, dass ein Sänger mit einem bestimmten Ton zerspringen lassen kann. Der Sänger trifft genau die Frequenz bei der das Glas am besten und intensivsten schwingt. Genauso verhält es sich mit einer Wand. Bei einer bestimmten Frequenz schwingt die Wand besonders gut und leitet so den Schall um diese Frequenz fast ungehindert auf die andere Seite.

Für einschalige Bauteile gilt auch hier:

Je schwerer eine Wand – desto tiefer die Resonanzfrequenz.

Nun kann es sich wohl fast niemand leisten, eine 1m dicke Betonwand um sein Studio zu bauen. Deshalb haben wir uns für einen zweischaligen Aufbau im „Raum in Raum Prinzip“ entschieden.

Zunächst kann man, wenn man zwei Wände ohne gegenseitigen Kontakt hintereinander stellt, das Schalldämmmaß einfach addieren. D.h. ein zweischaliges Bauteil dämmt doppelt so gut wie ein einschaliges. Wir haben aber noch etwas anderes gebaut. Durch den Luftraum zwischen den Wänden haben wir ein Feder-Masse-System geschaffen. Es ist darauf zu achten, dass die beiden Wände unterschiedliche flächenbezogene Massen haben, das sonst die Resonanzfrequenz von Bauteil1 diese an Bauteil2 und somit auf die andere Seite weiterleiten kann. Jedoch auch der zweischalige Aufbau besitzt eine Resonanzfrequenz.

Ziel ist es nun, mit dem Gewicht der Vorsatzschale und dem Abstand der Wände zueinander die Resonanzfrequenz so tief wie möglich zu drücken, am besten in den Bereich 30Hz oder tiefer.

Wie schon in den Grundüberlegungen beschrieben sind verschiedene bauliche Vorraussetzungen bezüglich der Wände gegeben. Es existieren 3 Arten von Rohbauwänden.

1. Stahlbetonwand,  24 cm stark,  – 565 kg/qm Flächengewicht

2. KS-Plan Kalksteinwand 11,5 cm stark – 260 kg/qm Flächengewicht

3. KS-Plan Kalksteinwand 24 cm stark  – 510 kg/qm Flächengewicht

Die verschiedenen Wände grenzen an unterschiedliche Räume oder sind Außenmauern. Unser geplantes „Raum in Raum Prinzip“ erfordert daher individuelle Schichtaufbauten für jede einzelne Wand, um die jeweils von mir erhofften Werte zu erhalten.

Vorrangiges Ziel von mir ist es die Resonanzfrequenz jeder Wand soweit wie möglich nach unten zu drücken, immer im Kompromiss mit dem entstehenden Platzverlust der Nutzflächen. Die für meine Berechnungen zugrunde liegende Formel zur Berechnung der Resonanzfrequenz eines zweischaligen Wandaufbaus lautet wie folgt:

Formel-Resonanzfrequenz

Ich fange mit der Vorsatzschale der Stahlbetonwand an. Wenn ich diese 2- fach mit Piano Gipskartonplatten beplanke, und diese sich in einem Abstand von 5 cm zur Betonwand befinden erhalte ich eine Resonanzfrequenz von 45 Hz. Dieser Wert erscheint mir noch ein bisschen hoch und liegt noch deutlich im hörbaren Bereich. Da es sich hierbei aber um eine Außenwand handelt welche auch noch komplett in Erde eingeschüttet ist, werde ich diese Lösung ausführen.

Schwerer ist hier die Berechnung der Wand vom Regieraum zum Chill-out- Room. Diese beiden Räume trennt im Augenblick eine 11,5 cm starke KS- Plan Kalksteinwand. Um hier eine einigermaßen respektable Resonanzfrequenz hinzubekommen müsste ich den Vorsatzschalenabstand im Regieraum so groß wählen, dass der daraus resultierende Platzverlust nicht akzeptabel wäre. Nur durch die Erhöhung des Gewichtes unter Verwendung von Knauf Diamantplatten an dieser Wand kann ich mit einem großzügigen Kompromiss die Resonanzfrequenz auf 39 Hz drücken.

Folgenden Aufbau habe ich mir für diese Wand erarbeitet:

Vorsatzschale 3-fach beplankt mit 5 cm Abstand zur KS-Wand auf der Regieseite.

Alle Wandzwischenräume werden mit Mineralfaser Dämmstoff zusätzlich isoliert. Die aus Glasfasern bestehende Dämmung bewirkt eine schnelle Ableitung der Wärme die durch die Reibung der Schallwellen in der Wand entsteht. Dies verhindert die erneute Dekompression der Energie. Diese fließt einfach an den Glasfasern ab und stirbt unhörbar ab. Des Weiteren werden Hohlraumresonanzen innerhalb der Wand weitestgehend unterbunden.

Eine weitere Wand ist eine Seitenwand der Regie bestehend aus einer 24 cm starken KS-Plan Kalksteinwand. Hinter dieser befindet sich das Treppenhaus und der Heizungs- und Waschraum. Eine Vorsatzschale mit 5cm Abstand, 3-fach beplankt  mit Knauf Diamant ergibt eine Reso von 36 Hz. Wie gesagt handelt es sich bei jeder Wand um Kompromisse mit dem Abstand der Wand. 5cm Wandabstand mehr entsprechen dem Verlust von ca. 2m 2 Nutzfläche.

Nun widme ich mich der Trennwand zwischen Regie und Aufnahmeraum. Im Augenblick trennt diese ebenfalls eine 24 cm KS-Plan Kalksteinwand. Auf beiden Seiten stelle ich im Abstand von 5 cm eine 2-fach beplankte Vorsatzschale gefüllt mit Mineralfaserdämmung. Dies ergibt eine Resonanzfrequenz von 19 Hz und ist mehr als zufrieden stellend.

Bleiben nur noch zwei 11,5er KS Wände im Aufnahmeraum zu planen. Diese grenzen zwar nur an einen Abstellraum im Keller, sollten jedoch nicht minder sorgfältig überdacht und ausgeführt werden. Die beste Kompromisslösung, wirtschaftlich wie auch technisch gesehen, erhalte ich durch eine Vorsatzschale in 5 cm Abstand zur Wand, 3-fach beplankt. Hier würde die Resonanzfrequenz bei 39 Hz liegen. Durch größeren Abstand könnte ich zwar noch mehr erreichen, doch ein bisschen Platz möchte ich später auch noch haben. Durch eine weitere Schicht Beplankung würde ich noch mal 4 Hz weiter runter kommen, ist es mir aber nicht wert.

Wäre abschließend noch zu sagen, dass die Wände selbstverständlich ohne jeglichen Kontakt zur äußeren Schale zu montieren sind. Die ganze Raum in Raum Konstruktion sollte auch nicht auf den vorhandenen schwimmenden Estrich gestellt werden, sondern direkt auf den Rohfußboden mit einem Entkopplungsstreifen, da der Estrich unter der Last voraussichtlich ca. 30 cm in Richtung Raummitte brechen würde.

Wir wünsche euch allen ein schönes Wochenende und bleibt dabei.

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Simone und Thomas

Das "Raum in Raum Prinzip"

Das „Raum in Raum Prinzip“

Generell gilt: je größer die Masse, desto besser der Schallschutz. Aber warum ist das so?

Jedes Bauteil hat eine so genannte Eigenresonanz d.h. eine Frequenz bei der es besonders gut schwingt. Diese Schwingungen übertragen sich dann auf benachbarte Bauteile und somit auch auf angrenzende Räume oder in die Außenwelt. Liegt es also nahe, die Eigenresonanz oder auch Resonanzfrequenz so tief wie möglich zu bekommen, im Idealfall bis in den Infraschallbereich also außerhalb unseres Hörbereichs.

Je größer die Masse, desto tiefer die Resonanzfrequenz. Je tiefer die Frequenzen werden, desto teurer und aufwendiger werden auch die bautechnischen Maßnahmen. Nicht jeder hat das Geld und den Platz eine ein Meter dicke Betonwand um sein Studio zu bauen. Es geht auch anders:

Ziel des  „Raum in Raum Prinzips“ ist es, einen Raum frei schwingend und absolut ohne festen mechanischen Kontakt zur äußeren Schale zu bauen. Hierbei macht man sich das Gesetzt des Feder-Masse Prinzips zu Nutze, welches besagt: Die Masse so hoch wie möglich, die Feder so weich wie möglich. Die Feder verhindert die Übertragung der Schwingungen der Bauteile auf die äußere Schale und somit eine Schallausbreitung in die Umgebung.

Eine Feder kann wirklich eine Federlagerung sein aber auch Hart- oder Bauakustik Weichfaserdämmstoffe können als Feder dienen. Die Feder hat ihre größte Wirkung im Mittel bis hochfrequenten  Bereich. Im tiefen Bereich wirkt sie eher schlecht bis gar nicht. Deshalb zusätzlich die Masse so hoch wie möglich wählen. Das  „Raum in Raum Prinzip“ habe ich auch für mein Studio gewählt, da es die beste Möglichkeit ist, die Übertragung des Schalls auf die Rohwände und über flankierende Bauteile zu verhindern.

Wie man nun solch ein „Raum in Raum Prinzip“ in der Praxis baut, dazu soll unser Blog dienen um dir auch jetzt wirklich die einzelnen handwerklichen Schritte und Tricks zu zeigen.

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Viele Grüße

Simone und Thomas
http://www.soundhouse7.de

Immission- Emissionschutz

Immission- Emissionsschutz

Zunächst möchte ich aber etwas ausholen und über die eigentliche Planung sprechen. Es ist sehr wichtig, dass ihr euch, bevor ihr solch ein Vorhaben startet, das Ganze bis auf den letzten Punkt durchplant. Also eigentlich bis zur Beleuchtung, späteres Equipment und dessen Anordnung, Nutzung des Studios… also wirklich bis ins letzte Detail. Denn schon jetzt bei den ersten Arbeitsschritten können sich für später fatale Fehler einschleichen.

Für was denn überhaupt Schallschutzplanung und Akustikbau in einem Tonstudio?

Vorrangiges Ziel der Bauakustik ist es, die Aufnahmen die ich in meinem Studio mache, sauber zu halten und eine störungsfreie Arbeitsumgebung zuschaffen. Die Einwirkung von nicht gewünschten Schallereignissen von außerhalb des Studios, sei es von benachbarten Räumen oder der Außenwelt, gilt es zu vermeiden. Diese Art der Schalleinstreuung, also von
Außen in das Studio hinein nennt man „Immission.“ Die baulichen Maßnahmen dagegen nennt man Immissionsschutz.

In meinem Fall sind aber weniger Komplikationen in dieser Hinsicht zu erwarten. Wie vorhin schon erwähnt befindet sich mein Studio in einem freistehenden Einfamilienhaus in einem ländlichen Neubaugebiet. Der Verkehrslärm hält sich dort sehr in Grenzen. Über dem Haus befindet sich auch keine Flugschneise und die nächsten Bahngleise sind über einen Kilometer entfernt. Aus immissionstechnischer Sicht also perfekt.

Ein größeres Augenmerk sollte ich aber dem Emissionsschutz widmen. Emission bedeutet der Schutz der Außenwelt oder benachbarten Räumen vor Schallereignissen, die aus meinem Studio nach außen dringen. Gerade in unserem ruhigen Neubaugebiet sollten die angrenzenden Bewohner nicht unbedingt des Nachts aus dem Bett fallen, wenn ich z.B. gerade die neue Rammstein Scheibe produziere. Es gibt zwar keine konkrete Richtlinie für die Lärmbelästigung von Tonstudios in Neubaugebieten, jedoch kann man hierbei eventuell die TA-Lärm (Richtwerte für Immission von Gewerbeanlagen) als Grundlage hernehmen, um einen Anhaltspunkt an die zu erreichenden Werte zu bekommen. Mit einem handelsüblichen  dB – Messgerät kann man dann anhand der so genannten „A Kurve“ (diese entspricht der 30 Phon Linie der Kurven gleicher Lautstärke von Fletcher und Munson) die erreichten Werte nachmessen. Nach TA-Lärm sollte ich in unserem Wohngebiet tagsüber einen Wert von 50 dB (A) und nachts 35 dB (A) einhalten. Einzelne Geräuschspitzen dürfen die Immissionswerte am Tag um 30 dB (A) und in der Bauakustik Nachts um 20 dB (A) nicht überschreiten. Hierbei ist der Tag von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr, und die Nacht von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr definiert.

Sehr wichtig ist auch der Schutz der restlichen Räume in unserem Haus vor Schall aus dem Studio. Gerade über der Regie befindet sich unser Wohnzimmer und dort sollte man noch gut leben können, auch wenn im Studio gearbeitet wird. Angegebene Richtwerte für die Immission innerhalb von Gebäuden sind hierfür am Tag 35 dB (A) und in der Nacht 25 dB (A).

Diese Werte werde ich versuchen mit meinen bauakustischen Maßnahmen mindestens einzuhalten oder sogar zu unterbieten.

Ich weiß, dies ist ein etwas trockenes Thema, aber gerade diese Punkte sind der Grund für den ganzen bautechnischen Aufwand den wir die nächsten Wochen betreiben werden.

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Viele rockige Grüße

Simone und Thomas
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