Bau von Breitbandabsorbern

Bau von Breitbandabsorbern

Heute wollen wir euch beschreiben, wie wir die Breitbandabsorber im Soundhouse7 realisiert haben.
Ich möchte vorweggreifen, dass es sich um eine individuelle Lösung handelt, man sich aber bestimmt Ideen und Anregungen aus unserer Methode herausholen kann. Der ein oder andere wird event sogar unsere Methode eins zu eins übernehmen.
Ich gehe heute in diesem Blog nicht darauf ein, für was man Breitbandabsorber braucht und in welcher Menge und an welchen Stellen diese platziert werden müssen. Ich gehe davon aus, ihr wisst warum ihr einen BA bauen wollt und habt aber noch keine Idee wie.
Wir von Soundhouse7 haben uns Gedanken gemacht, selbst solche Absorber zu bauen, diese sollen aber vom Aussehen und ihrer Funktion in nichts den fertig gekauften nachstehen. Also keine in Stoff gehüllten Dämmungspäckchen, Noppenschaum, Eierkartons oder ähnliche pseudoakustischen Maßnahmen die mir den Raum wahrscheinlich mehr zerstören als gradebiegen. Nein, wir machen es amtlich und mit Hand und Fuß.

Nach ausreichender Planungsphase wie Raytracing, Ausmessen der Wände, Decken und Böden, akustische Leerraummessungen, haben wir die Positionen, die Größe und Menge unserer einzelnen Akustikmodule bestimmt. Ein ganz wichtiger Faktor war für uns die Editierbarkeit der einzelnen Akustikelemente. Denn nicht an jeder Stelle braucht man einen Breitbandabsorber. Manchmal braucht man auch Reflektoren, Diffusoren, Resonatoren oder Schwinger. Aber egal was an welcher Stelle im Raum montiert werden soll, oberflächlich sollte alles gleich aussehen, d.h. auf den ersten Blick fällt einem nicht auf um welchen Typ Akustikmodul es sich letztlich handelt.

Unsere Lösung:

Wir haben uns entschlossen, an die vorher berechneten Stellen an Wänden und Decke leere Rahmen zu bauen. Wir haben zwecks Style uns für das selbe Holzdekor entschieden wie für die Studiomöbel und die Kabelkanäle.
Man richtet sich also 4 Rahmenteile und montiert diese mit Dübeln und PU Kleber oder Leim und je Ecke eine Schraube zusammen. Die Rahmentiefe richtet sich nach deinen Bedürfnissen, eben wie stark du diese brauchst.

05 Rahmen

06 Rahmen

07 Rahmen
Als nächstes montiert man sich die Modulrahmen an die Wand. Aus platzsparenden Gründen haben wir uns für ein Füllmaterial entschieden, mit dem eine Montage der Breitbandabsorber direkt an der Wand möglich ist und funktioniert. Wenn ihr die Absorber mit Mineralwolle, Steinwolle oder Hanf füllt ist eine Montage ca. 10cm vor der Wand nötig oder ihr müsst die Rahmen eben 10cm breiter bauen als die eigentliche Dämmstärke und dann an die Wand montieren. Wenn ihr Abstand zur Wand haben wollt, dann ist noch eine Rückwand hinten an den Rahmen auszuführen.

08 Rahmen montiert

13 Modul Montage

Wie auf dem letzten Bild zu sehen, haben wir nun auf der Innenseite Anschlaghölzer montiert. Diese sorgen später dafür, dass der Stoffrahmen nicht nach innen drücken kann. Ebenfalls wird an diesem Innenrahmen das Klettband aufgetackert, an den die Stoffbespannung später festgeklettet wird. Der Gesamtaufbau von Innenrahmen und Stoffbespannrahmen sollte die gleiche Stärke haben wie der Außenrahmen. Wie auf dem Bild zu sehen.

Doch erst müssen wir uns wieder Rahmen bauen, und zwar die Stoffbespannrahmen. Den Holzquerschnitt so gering wie möglich wählen. Wir nahmen 2cm auf 2cm. Auf Gehrung zurechtschneiden und zusammenschrauben, leimen oder hier mit Schwalbenschwanzverbindung.

02 Spannrahmen

03 Spannrahmen

04 Spannrahmen

Zwecks der Stabilität haben wir in der Mitte jeweils ein Stabilitätsholz eingezogen, damit uns der Rahmen später bei der Stoffbespannung nicht verbogen wird.

Ist der Rahmen fertig kann er auch schon mit Stoff bespannt werden.
Bei der Wahl des Stoffes unbedingt darauf achten, dass der Stoff Luftdurchlässig aber blickdicht ist. Der Bespannstoff selbst darf keinen akustischen Einfluss haben. Diese Aufgabe hat ja unsere spätere Befüllung. Der Stoff dient nur der besseren Optik.
Baumwollstoffe sind hier sehr gut geeignet. Beim Kauf kann man im Laden zum Test in den Stoff hineinpusten und mit der Hand fühlen, dass so viel Luft wie möglich auf der anderen Seite ankommt. Der von uns verwendete Stoff nennt sich in der Stoffbranche auch Fahnenstoff und gibt es in sehr vielen Farben. Wer viel Geld hat, der kann sich aber auch etwas teureren, speziellen Akustikstoff besorgen.

12 Stoff zuschneiden

09 Stoff

10 Stoff tackern

Den Stoff gut spannen und auf der Rückseite des Rahmens festtackern.

Dann tackert man ebenfalls auf die Rückseite in regelmäßigen Abständen Klettstücke in 25 bis 30cm Länge.

11 Klett

Die Gegenstücke des Klettbandes tackert man an den selben Positionen an die im montierten Rahmen angebrachten Innenleisten.

Jetzt kann man seine Absorber befüllen. Wir beschreiben heute hier unsere Breitbandabsorber und befüllen diese mit Homatherm Flex CL. Homatherm Flex CL war das einzigste Produkt, welches einen Labornachweis hatte über die Funktionalität in Bezug auf die Montage direkt an der Wand. Mit den Absorbtionswerten konnten wir arbeiten jedoch erwies sich die Verarbeitung des Materials als besonders schwierig. Mit einem Messer oder einer Handsäge kommt man nicht weit. Die Dämmung flockt und reisst aus. Erst das Schneiden mit einer Hand- oder Tischkreissäge brachte optimale Ergebnisse aber auch maximalen Dreck. Doch die Werte waren es wert und die Gesundheit auch. Immerhin wird Homatherm aus Altpapier hergestellt.

19 Modulaufbau

20 Modul Befüllung

Hier oben sieht man die einzelnen Arbeitsschritte recht gut. Wandmontage, Innenrahmen, Stoffbespannrahmen, Befüllung und ein fertiges Modul. Ein Breitbandabsorber mit den Maßen 0,80m Breite, 2.00m Höhe und 10cm Stärke.

14 Deckenabsorber fertig

Fertige Deckenabsorber. Von der Herstellung her genau wie die Kollegen an der Wand. Für Einbauten wie Lichter, Steckdosen und Schalter haben wir Holzunterkonstruktionen gebaut, die vorne plan unter dem Stoff abschließen.

22 Unterbau

16 Anschlussleitungen

Auch wenn ihr vor habt z.B. einen Bildschirm an die Wand, sprich an den Absorber zu hängen, solltet ihr an eine Unterkonstruktion aus Holz denken an die ihr dann das Objekt befestigen könnt.

18 Reflektoren

Auf diesem Bild sieht man noch Deckenreflektoren. Ganz einfach ausgeführt:
Holzplatte mit Stoff überspannt und mittels Ketten an der Decke befestigt. Durch die Kettenglieder kann man die Neigungen exakt einstellen und gleich in der Praxis testen.

15 Wandabsorber fertig

Nach der Befüllung klettet man nun nur noch den Stoffbespannrahmen auf den Innenrahmen und fertig ist ein Modul. Sieht auber aus und keiner ahnt was sich dahinter verbirgt.

01 Messung

Während der Befüllung wurde immer wieder nachgemessen. Denn zuviel Absorbtion, besonders in den Höhen bis hohen Mitten sollte man vermeiden und stoppen. Die tiefen Frequenzen und Raummoden sind dann gezielter anzugehen. Hierfür haben wir noch Helmholzresonatoren und Plattenschwinger eingebaut.

Tonstudio Soundhouse7 Rückwand Studiobau

Die fertige Rückwand der Regie mit der obligatorischen Produzentencouch.

Tonstudio Soundhouse7 Front Regie

Regie Front: Montage eines Monitors auf einem Absorber.

Wir hoffen, dass euch diese Beitrag Anregungen bringt um eure Breitbandabsorber selbst zu verwirklichen.

Wer sich das Studio mal in live anschauen möchte kann das gerne tun. Einfach kurz vorher anmelden – am besten per Mail an:
mail@soundhouse7.de oder per Telefon: 07931/46376

weitere Infos und Bilder vom Studio gibt es auf:
http://www.soundhouse7.de

Vergesst nicht, wenn euch dieser Blog gefällt, hier unten bei Facebook zu teilen und zu liken. Wir freuen uns immer über positive Resonanz. Wem es nicht gefällt oder dieser Blog nichts bringt weil er schon alles weiß, der kann es ja für sich behalten.

Machts gut und bis zum nächsten Thema hier beim Studiobau-Blog.

Simone und Thomas
http://www.soundhouse7.de

14 comments on “Bau von Breitbandabsorbern

  1. Yuka says:

    Hallo Simone und Thomas,

    ich bin kurz davor mein Wohnzimmer auszubauen damit sich die Monitoring-Situation etwas bessert. Da es nun aber auch mein Wohnzimmer ist, muss ich einen guten Kompromiss zwischen Akustik und Ästhetik finden und eure Absorber sehen super aus! Ich wollte nun von euch im Nachhinein hören ob das Material (Homatherm Flex) tatsächlich sein Versprechen eingehalten hat, also ob das Resultat trotz ohne Abstand zur Wand, das erwünschte Resultat erbracht hat? Habt ihr das gleiche Material sowohl an der Decke als auch an der Wand genutzt? Mit was habt ihr es genau verpackt, damit es nicht staubt?

    vielen Dank und Grüße,

    Yu

    • soundhouse7 says:

      Hallo Yu,
      Homatherm hält sein Versprechen. Die Akustik in unseren Studioräumen ist perfekt eingemessen und wir haben super Ergebnisse bei unseren Produktionen. Aber wie in unserem Blog beschrieben verbirgt sich nicht in jedem Absorbermodul Homatherm. Einmessen muss man den Raum dann schon und auch mit anderen Modulen arbeiten als mit Breitbandabsorbern. Bei uns sehen die Module zwecks der Ästhetik nur gleich aus. Doch was sich hinter der Stoffbespannung verbirgt ist durchaus unterschiedlich.

  2. Hallo Thomas und Simone!
    Es macht wieder viel Spaß, zu sehen, was Ihr Euch selbst zusammenbaut! Da freuen sich nicht nur die Ohren über einen tollen Sound, sondern auch die Augen über ne schöne Verarbeitung. 🙂 Setzt Ihr bei Euren Projekten eigentlich weiterhin auf SPAX?
    Viele Grüße,
    Euer SPAX-Team

    • soundhouse7 says:

      Hallo Spax-Team,
      ich freue mich über euren Kommentar. Mit Spax verhält es sich glaube ich wie mit Tempotaschentüchern. Der Firmenname fungiert repräsentativ als Bezeichnung für eine komplette Produktpallette. So sagt man doch fast zu allen möglichen Schrauben “Spax”. Das muss man erst mal schaffen.
      Und natürlich halten bei uns nur originale Spaxschrauben unsere Wände und Decken zusammen. Zuverlässig und dauerhaft. Zumindest bis jetzt 🙂
      Wenn sich ein Abgesandter eurer Firma mal das Studio in real anschauen möchte ist die Firma Spax gerne eingeladen.
      Viele Grüße
      Simone vom Soundhouse7

  3. Verena says:

    Hallo,
    könnten Sie mir sagen, wie diese kleinen Zapfen heißen, die Sie in den Holzahmen einschlagen. Ich habe überall gesucht, mir fehlt aber der richtige Suchbegriff. Ich würde nämlich auch gern einen Rahmen mit dieser Verbindung bauen, daher würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir einen kleinen HInweis geben, wo man diese Teile kaufen kann oder wie sie heißen.
    Viele Grüße und danke,
    Verena

  4. Verena says:

    Ja, da haben Sie ein Verbindungsteil hineingeschlagen. Wie heißt das?
    Erstellt man die 2 “Dreiecke” mit der Oberfräse?

    • soundhouse7 says:

      diese Verbindung heißt Schwalbenschwanzverbindung und ich habe mir die Hölzer von einem Schreiner vorrichten lassen.
      Von ihm habe ich auch das Zubehör bekommen. Extra Maschinen kaufen lohnt sich nicht, wenn man einmal in der Art etwas machen will.
      VG
      Thomas vom Soundhouse7

  5. Achim says:

    Hallo,

    eine echt coole Aktion, euer Blog 🙂 Ganz besonders hat mich euer Akustikbau in den Bann geschlagen. Die Teile sehen wirklich hammermäßig aus und die Idee, einer optisch homogenen Oberfläche ist wirklich 1A. Respekt!
    Trotzdem mal eine Frage: Ihr schreibt, dass die Akustikmodule direkt auf die Wände geschraubt werden, nur wie geht das? Ihr habt doch als Untergrund quasi nur Rigipsplatten und wisst ja vorher nicht, wohin später ein Akustikmodul hinkommt (dazu müsst ihr ja den fertigen Raum-in-Raum akustisch erst ausmessen, oder?). Wie hält das auf dem Rigips? Oder gibt es einen Trick (spezielle Schrauben, irgendeine Unterlage?), mit dem ihr schon vor dem Beplanken gewusst habt, wo was hinkommt? Das würde mich echt brennend interessieren 😉

    beste Grüße
    Achim aus Ulmet

    • soundhouse7 says:

      Hallo Achim,
      vielen Dank erst mal für deinen Kommentar.
      Die Positionierung der Module kann man mit Hilfe des Raytracing Verfahrens zum Erstellen eines Reflexionsmusters im Vorfeld ermitteln.
      Ziel der Erstellung eines Reflektionsmusters ist es, herauszufinden welche Wege mein Schall in meinem Regieraum zurücklegt und ob irgendwelche Reflektionen durch meinen Abhörplatz führen. Um eine gute Beurteilung von Phantomschallquellen zu gewährleisten ist es wichtig, dass erste Reflektionen nicht vor 10 ms nach dem Direktsignal an den Abhörplatz gelangen, und wenn ja sollten sie mindestens 20 dB leiser als das Freifeld sein.
      Anhand des Reflektionsmusters erkenne ich sofort welche Maßnahmen ich an welcher Stelle des Raumes vornehmen muss. Entweder sollte ich die Winkel der Wände in der Planung ändern oder an welcher Position werden Absorber notwendig. Da man in einem Studio sowieso mit absorbierenden Materialen arbeitet um die Nachhallzeit in den Griff zu bekommen, kann man diese Absorber auch gleich an die Stellen montieren an denen sie notwendig sind. Bei der geometrischen Wellentheorie, nach der diese Art Reflektionsmuster funktioniert, gilt die Regel: Einfallswinkel der Schallwelle gleich Ausfallswinkel. Diese Theorie funktioniert sehr gut im Mittel- bis hochfrequenten Bereich. Bei tieferen Frequenzen sollte man sich anders behelfen. Tiefere stehende Wellen kann man durch Ortung nach Gehör am Listeningpoint lokalisieren und die entsprechende Frequenz durch die Dimensionierung der Breitbandabsorber oder durch gezielten Einsatz von Resonatoren eliminieren.

      Zwecks der Befestigung an der Wand:
      Durch die 3-Fach Beplankung bekommt man a) einen sehr guten Halt mit Dübeln und Schrauben. b) unser relativ dünner Holzrahmen ist gar nicht so schwer und die Schrauben müssen auch nur den eigentlichen Rahmen halten. Die Füllungen der Absorber sind ja wiederum extra entweder an die Wand geklebt oder verschraubt. Schrauben ist hierbei aber besser, da man später leichter Korrekturen vornehmen kann um event. nochmal was zu ändern.
      Ich hoffe ich konnte dir etwas weiter helfen.
      Viele Grüße aus dem Soundhouse7
      Thomas

  6. Duc says:

    ich finde euren Blog super und bin schon fast mit meinem Studio fertig. Eure Tips waren mir eine große HIlfe. Mich würde allerdings noch itneressieren, wie Ihr die Rahmen der Breitbandabsorber an die Gipskartonwand angebracht habt, mit spizellen Dübeln oder habt ihr hinter der Wand an bestimmten Stellen einfach etwas Holz verkleidet habt, damit die Schrauben halt haben?

    Grüße eines SAE Alumni

    • soundhouse7 says:

      Hi Duc,
      Wir haben ja 3 Fach beplankt und somit gut Material für Dübel. Der Rahmen allein wiegt nicht viel, weshalb die Befestigung mit ein paar Winkeln ausreicht. Das Füllmaterial haben wir wieder extra befestigt wie auf den Bildern zu sehen. Es freut mich dir bei deinem Studio ein bisschen helfen zu können.
      Viele alumnische Grüsse
      Thomas

  7. Kosta says:

    Hallo,
    Ich finde diese Anleitung zum Bau des Absorbers spitze, danke!
    Jedoch eine kleine Frage: wieviele mm sind zwischen Rahmen-Kante vorne, und den Anschlaghölzern, wenn der Rahmen ohne Textil drinnen steckt?
    Bild:

    Oder anders gesagt, wieviel “Puffer” wurde für Textil und Klettbänder gelassen? Nur damit ich die Sache nicht 2-3 machen muss, bis ich die Tiefe treffe 🙂
    Danke
    Srdan

    • Soundhouse7 says:

      Hallo Kosta,
      das ganze sollte so ausgemessen sein, dass der komplette Aufbau mit dem Stoff bündig mit dem Modul vorne abschließt. Event. aber auch den äußeren Rahmen 2-3 mm überstehen lassen. Dann sieht es richtig gut aus.
      Viele Grüße
      Thomas

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