Die Erdung eines Tonstudios

Die richtige Erdung eines Tonstudios
“Produzieren ohne Brummen”

Ein ärgerliches Phänomen der Studioverkabelung können unangenehm auftretende, tieffrequente Brummschleifen sein. Wer hat nicht schon einmal das nervenzereisende Brummen aus den Lautsprechern gehört nach dem er ein neues Audiogerät an sein Setup angeschlossen hat? Man versucht dann event. den Netzstecker umzudrehen, doch wenn überhaupt, dann bringt das nur leichte Minderung. Das Brummen ist immer noch da. Ganz todesmutige kleben dann aus Gier zum Musik produzieren den Schutzkontakt mit Gaffatape ab. Das Brummen ist dann weg – doch event. auch bald der mutige Tontechniker.

Sinnvoll ist es, das Ganze doch mal professionell anzugehen.

Wie entsteht eigentlich so eine Brummschleife?
Wenn man mindestens zwei Audiogeräte mit Schutzkontaktsteckern an den Stromkreislauf anschließt und diese beiden Geräte über ein Audiosignal miteinander verbindet, entsteht prinzipiell eine Brummschleife. Allerdings kann man nicht vorhersagen, wie stark dieses Brummen zu hören sein wird.
In einem Tonstudio hat man nun aber das Problem, dass nicht nur zwei sondern sehr viele Audiogeräte an den Strom angeschlossen werden müssen und auch audiotechnisch miteinander verbunden sind. Die zwei Gründe für das Brummen sind:

1. Es wird ein geschlossener Stromkreis (Schleife) von den Gerätemassen und dem Schutzleiter hergestellt.

2. In einem Stromkabel liegen die Kabel für Phase und Null parallel zum Schutzleiterkabel.

Es gilt nun mindestens einer dieser Gründe – besser beide – zu eliminieren. In einem Tonstudio mit sehr vielen technischen Geräten ist es sinnvoll die Signalmasse vom Stromschutzleiter zu trennen und konsequent an eine eigene Erdung anzuschließen. Das kann man beispielsweise durch eine sternförmige Erdung realisieren. Dies bedeutet:
Man installiert an einem zentralen Punkt im Studio eine Potenzialausgleichschiene. Ich nenne diese mal Hauptpotenzial.
Hauptpotenzialschiene
Diese Hauptpotenzialschiene verbindet man jetzt mit der Hauserde oder an ein extra für das Studio gelegtes Erdungsband.
Erdungsband

Nun verteilt man in jedem Rack wiederum Potenzialausgleichschienen. An diese kann man dann die Signalmassen der Geräte auf kurzen Weg anschließen. Jede Rackpotenzialschiene wird nun, wie im Erdungsbereich üblich, über ein gelbgrünes Kabel ebenfalls mit der Hauptpotenzialschiene verbunden. Graphisch betrachtet sind jetzt aller Rackpotenziale sternförmig mit dem Hauptpotenzial verbunden.
Rackpotenzial

Nun hat man den Grundstein für die Studioerdung gelegt. In den Racks kann man nun handelsübliche Mehrfachsteckdosen installieren. In die Steckdosen kommen jetzt nur noch Eurostromstecker. Diese besitzen keine Erdung. Eurostecker sind die flachen Netzstecker. Manche Audiogeräte, meist mit Kunststoffgehäuse, haben von Haus aus Eurostecker am Start.
Audiogeräte mit Netzteil besitzen auch schon einen Euronetzstecker. All diese Geräte kann man schon mal an den Strom anschließen.
Eurosteckerleiste
Komplizierter wird es nun mit all den Studiogeräten welche ein Kaltgerätekabel mit dazugehörigem Schutzkontaktstecker benötigen. Diese dürfen wir jetzt nicht einfach an die Steckdosen anschließen, denn sonst haben wir die Schleife von Signalmasse und Schutzleiter hergestellt. Nicht umsonst haben wir die extra Erdung installiert.

Also was tun? Erst einmal alle mitgelieferten Kaltgerätekabel, nicht gerade wegwerfen, aber dennoch in eine Kiste packen und beiseite stellen wo sie dich die nächsten Jahre nicht stören.

Dann braucht man Kaltgerätestecker zum aufschrauben, Eurokabel mit Euronetzstecker dran und gelbgrünes Kabel. Für jedes Gerät baut man nun sein individuelles Stromkabel. So kurz wie möglich, so lang wie nötig.
Das Eurokabel mit Phase und Null schließt man ganz normal an den aufgeschraubten Kaltgerätestecker an. Die Signalmasse wird über das gelbgrüne Kabel separat aus dem Stecker geführt und an die jeweilige Rackpotenzialschiene angeschraubt. Achtet bitte darauf, dass das Erdungskabel mindestens ein paar Zentimeter Abstand zu den Stromkabeln hat. Das muss man konsequent mit allen Geräten mit Schutzkontaktsteckern machen. Wenn man es bei einem nicht macht, kann es sein, dass man wieder ein Brummen bekommt und die ganze Arbeit wäre umsonst gewesen.
Kaltsteckerselbstbau1

Kaltsteckerselberbau2

Möchte man einen Computer an eine Art Hifiverstärker anschließen, der wiederum mit einem Antennenanschluss verbunden ist, benötigt man höchstwahrscheinlich einen Mantelstromfilter. Dieses ist ein einfacher Steckfilter in Form eines Hochpassfilters. Das 50HZ Brummen wird nicht durchgelassen. Erst Frequenzen ab ca. 80HZ können den Filter passieren. Dies ist in diesem Fall nötig, da der Antennenanschluss aus Blitzschutzgründen mit dem Schutzkontakt verbunden ist.

Am Ende möchten wir uns nochmals für das große Interesse an unserem Studiobau – Blog bedanken. Das Soundhouse7 ist bald fertig gestellt. Über 30 000 Seitenaufrufe im letzten halben Jahr sind eine schöne Belohnung für unsere Arbeit. Auch schon der ein oder andere nette Kontakt konnten wir gewinnen und wir haben schon von anderen Studioprojekten gehört, welche den ein oder anderen Trick aus unserem Blog umgesetzt haben.

Bleibt uns bitte weiter treu – Wir bleiben am Ball und versorgen euch auch in Zukunft mit vielen Tipps und Trick zum Thema Studiobau und Akustikbau.

Vergesst nicht, wenn euch dieser Blog gefällt, hier unten bei Facebook zu teilen und zu liken. Wir freuen uns immer über positive Resonanz. Wem es nicht gefällt oder dieser Blog nichts bringt weil er schon alles weiß, der kann es ja für sich behalten.

Beste Grüße

Simone und Thomas
http://www.soundhouse7.de

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9 comments on “Die Erdung eines Tonstudios

  1. auchmalwer says:

    Ist es möglich die erdung der Steckdose bereits an die Potenzialschiene anzuschließen und somit die Erdung zu realiesieren?

    • soundhouse7 says:

      An die Potenzialschienen werden nur die Gehäuseerden der Geräte angeschlossen. Die Stromerde bleibt davon immer getrennt. Nur so erreicht man das gewünschte Ziel.

  2. Heij,
    Danke,Danke,Danke. Ich bin ein enthusiastischer “Neuzugang” was die Tontechnik und Studiobau angeht. Dank Eurem Blog kann ich mir wesentliches Wissen anlesen um mein kleines Heimstudio erfolgreich zu professionalisieren. Wehret den Brummschleifen! …Endlich.
    Schon nervig wenn man immer die Radioantenne rausrupfen muss bevor Ruhe ist.
    Ich bin großer Fostex-Fan, besitze einen 280 und einen Model 80 Multitracker, ein 450 und 1240 Mischpult. Dann mastere das Ganze mit einer Akai GX630D oder auf das Akai GX65MkII.
    Jetzt kann ich mir endlich die Gimmicks leisten von denen ich früher nur träumen konnte und habe dabei großen Spaß.
    Ich versuche mit meinem Projekt “Erich Klopfton und die Summersingers” Musikern die Möglichkeit zu geben zu Aufnahmen zu kommen.
    Es ist schon toll wenn man 4 Stunden an Reglern stand und hinterher das Tape rausnimmt und es wem in die Hand drückt “Hier, dein erstes Tape” -ganz grosses Kino.
    Ich liebe einfach die alte Elektronik. Etwas das mal 2000 Mark kostete braucht meist nur eine kleine Erfrischung und weiter gehts. Mein Standpunkt: was Menschen zusammenfügten kann man auch wieder reparieren. Der Lerneffekt ist riesig und wenn ich etwas wiederbeleben konnte ein großartiger Erfolg.
    Meine Bandgeräte sind alle in gutem Zustand und mit gescheiten Bändern haben die einfach den Sound den ich so liebe, ohne Wasserfall im Hintergrund.
    Wenn Ihr vielleicht noch ein paar 26,5`er NAB -Bänder im Keller habt, es würde mich freuen denen wieder Bewegung zu verschaffen.
    Mit freundlichem Gruß
    Erich Klopfton

    • soundhouse7 says:

      Hallo Erich,
      es freut mich wirklich, wenn unsere Bemühungen mit diesem Blog nicht umsonst waren und wir jemanden weiterhelfen oder Gedankenanstöße bringen können.
      Konntest du schon auch wirklich praktische Erfolge mit unseren Tips erzielen?
      Gerne bist du auch mal eingeladen uns hier im Soundhouse7 zu besuchen und dir alles anzuschauen und auch im Livebetrieb zu erleben. Im Gegensatz du dir sind wir allerdings sehr digital ausgelegt, allerdings haben wir auch das ein oder andere Übrigbleibsel aus der analogen Zeit in die Racks geschraubt.
      Viele Grüße und viel Erfolg für die Zukunft
      Thomas

  3. Daniel says:

    Moin moin!
    Vielen vielen Dank für den Beitrag, auch wenn es schon eine Weile her ist. Ich produziere selber und habe mein kleines gemütliches Homestudio, das ich mir grade einrichte und studiere Medientechnik. Endlich gibt es mal einen Ansporn für ein Projekt für die quasi neu erlernten Grundlagen der Elektrotechnik.

  4. Samantha Sch. says:

    Hallo

    Wie sieht es aus,…. mit Netzkabeln die aus den geräten kommen. Sollte man die Geräte öffnen und direkt umklemmen.
    Oder reicht es, wenn man das kabel kürzt und eine stecker ranmacht. ???

    • soundhouse7 says:

      Hallo Samantha,
      meistens haben diese Geräte, wo das Kabel direkt aus dem Gerät kommt, einen Eurostecker (der mit 2 Stiften, flacher Stecker) dran. Bei denen muss man gar nichts machen, da hier keine Erdung am Stecker anliegt. Einfach einstecken und fertig.

      VG
      Thomas

  5. Samantha Sch. says:

    Hallo thomas.

    Ich meinte nicht ” Geräte mit Eurostecker ”
    Ich meine Geräte mit richtigen 3 adrigen Netzkabel kaltgerätestecker .z.b vom Mischpult Netzteil , Denoiser und andere Geräte.
    Reicht es, das Kabel ziemlich kurz abzuschneiden und eine kaltgeräte kupplung zu montieren.
    ????
    Oder doch öffnen und direkt innen abnehmen ??

    • soundhouse7 says:

      Hallo Samantha,
      ich bin ehrlich, ich habe noch nie ein Gerät in die Finger bekommen, an dem ein Kaltgerätestecker direkt ins Gehäuse ging. Auch Geräte mit externem Netzteil habe ich noch nie ohne Eurostecker gesehen. Falls du sowas hast, kannst du mir gerne mal Bilder schicken. Behandeln würde ich das Ganze jedoch wie gehabt. Jedoch muss man irgendwie die Erdung gesondert abzweigen. Entweder tatsächlich durch öffnen des Gerätes, oder aber irgendwie nach dem Abschneiden des Kabels mit einer Art Adapter den man sich event. selbst bauen muss. Es entfällt somit der Kaltgerätestecker am Gerät selbst. Am Ende sollte man halt wieder einen Eurostecker und ein Endungskabel als Resultat haben.
      Leider kann ich die hierzu keinen detaillierten Plan geben.
      VG
      Thomas

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