Patchbay – Was ist das? – Planung – Normalisierungsarten

Patchbay – Was ist das? –  Planung – Normalisierungsarten

So langsam wird es Zeit die ganzen Kabelbündel, die aus den Wänden schauen irgendwie sinnvoll anzubringen. Wenn man es sich zunächst einfach macht, könnte man an jedes Kabelende einen passenden Stecker löten und in die entsprechenden Gerätebuchsen einstecken. Würde fürs erste auch funktionieren. Bis man eventuell auf die Idee kommt, das Mikrofon, das bis jetzt auf Mic In 1 in das Mischpult manövriert wurde, man plötzlich im Mic Input 3 des Mixers einspeisen möchte – aus welchem Grund auch immer. Nun jetzt heißt es Sporthosen anziehen, Taschenlampe und Staubwedel besorgen – und abtauchen in die unendlichen Weiten der Kabelgalaxis, Heimat vieler vom Aussterben bedrohten noch nie gesehenen Lebewesen, Zeitzeugen des Speiseplans der letzten Monate und Jahre… — um in yogaähnlichen Positionen, Arme und Beine verknotend den Mic IN Stecker von 1 nach 3 umzustecken.

Genauso könnte es dir mit vielen veränderten Signalflüssen gehen. Irgendwann würde dir die ewige Krabbelei keinen Spaß mehr machen bis dort hingehend, dass dir die ganze Tontechnik keinen Spaß mehr macht.

Abhilfe schafft hier eine so genannte „PATCHBAY.“

Eine Patchbay soll dir die Änderungen in deinem Signalfluss vereinfachen und dir die Kriecherei hinter dein Equipment ersparen. Eine Patchbay ist ein passives Stück Audioequipment mit vielen Anschlussbuchsen auf der Vorderseite und meistens Lötkontakten auf der Rückseite. Es gibt sie in unsymmetrischer, symmetrischer, günstiger und hochwertiger Ausführung. Die Variationen an Buchsenarten auf der Vorderseite und Anschlussarten auf der Rückseite sind sehr, sehr vielfältig.

Was macht nun eine Patchbay genau? Ganz einfach ausgedrückt – Alle Anschlüsse deiner Geräte in deinem Studio, egal ob Mischpult, Interfaces, Zumischeffekte, Ersetzungseffekte u.s.w. werden an einen zentralen Punkt in deinem Studio geführt – der Patchbay – dort steckst oder lötest du diese Anschlüsse an die Rückseite der PB und dir stehen somit diese Anschlüsse auf der Vorderseite zum Abgriff zur Verfügung. Je nach Art des Studios kommen da schon mal mehrere Hundert Anschlüsse zusammen. Das bedeutet aber dann auch, sich irgendwann Gedanken über die Art der zu verwendeten Patchbay zu machen.

Nehmen wir mal an, du hast ein Studio mit 300 Anschlüssen insgesamt an allen Geräterückseiten die du hast. Dann brauchst du folglich auch mindestens eine Patchbay mit 300 Anschlüssen – eher mehr, aber dazu später mehr. Es gibt 19“ Patchbays mit symmetrischen Klinkenbuchsen auf der Vorderseite. Diese sind im Allgemeinen noch recht günstig, jedoch passen auf ein Panel mit 1 HE nur 2 x 24 Buchsen – also 48 Anschlüsse. Folglich müsstest du dir mind. 7 solcher Patchbays zulegen und 7 HE in einem Rack verbauen um deine 300 Anschlüsse unter zu bringen. Besser und professioneller sind da dann schon so genannte Bantam/ TT- Patchbays. Diese haben zwar einen stolzen Preis, sind aber wesentlich robuster, halten mehr Plugs aus und sind Kontaktsicherer. Der größte Vorteil von TT-Patchbays ist aber die Platzersparnis. Da die Buchsen und Stecker sehr schmal gebaut sind, passen 96 Buchsen auf ein 1 HE Patchpanel. Somit wärst du bei 300 Anschlüssen bei nur 4 HE und hättest noch viel Platz für spätere Erweiterungen. Ist einmal alles richtig installiert, kannst du nun ganz einfach mit Hilfe eines kurzen, so genannten Patchkabels, dein Mic Signal von 1 nach 3 umstecken – Ganz bequem von Vorne und in einem Bruchteil der sonst benötigten Zeit. Wichtig ist nur noch eine ordentliche Beschriftung deiner einzelnen Patchpunkte. Sonst bist du wieder verloren.

Planung einer Patchbay

Bei der Planung einer Patchbay legt man meistens an die obere Buchsenreihe die Ausgänge der Geräte an, und an die untere Buchsenreihe die Eingänge. Dieses macht Sinn, da man sich bei der Planung gründlich Gedanken machen sollte, welcher Studiosignalfluss am meisten Sinn macht – ohne ein einziges Patchkabel verwenden zu müssen. Wie? Jetzt haben wir jede Menge Zeit und Geld in eine Patchbay gesteckt und nun soll doch alles fest verkabelt sein? – Jain – Wir geniesen nun zwar die Freiheit und Flexibilität jederzeit den Signalfluss zu ändern, doch liegt es im Gemüht des Tontechnikers faul zu sein und nicht gleich bei jedem z.B. eingesteckten Mikrofon gleich ein Patchkabel in die Hand nehmen zu müssen und auch noch einstecken zu müssen. Nein, sinnvolle Signalroutings werden auf der Patchbay „hardgepatched“ d.h. der Ausgang eines Gerätes (oberer Patchpunkt) wird auf den darunter liegenden Patchpunkt, sinnvoller Weise ein Eingang eines anderen Gerätes, durchgeschleift. Bestes Beispiel hiefür ist: Du steckst im Aufnahmeraum an der Wallbox ein Mikrofon in Eingang 1 ein. Das Mikrofonsignal liegt nun an deiner Patchbay am Patchpunkt Wall-1 an. Sinnvoll ist es nun den Mikrofoneingang von Channel1 an deinem Mischpult direkt am Patchpunkt darunter angebracht zu haben und diese zwei Patchpunkte „hardzupatchen.“

Du musst nun kein Patchkabel in die Hand nehmen. Das Mikrofonsignal wird direkt über die Patchbay in den Mic In 1 in dein Mischpult weiter geleitet.

Es gibt sehr viele sinnvolle Hardpatches. Du musst dir selbst Gedanken machen welche für dich und deine Arbeitsweise sinnvoll sind. Eine Patchbay ist so individuell wie sein Besitzer.

Nicht immer ist ein Hardpatch gewünscht. Dann lässt man ihn einfach weg. Ausführung eines Hardpatches kann gelötet sein, teuere Patchbays sind auf der Rückseite schaltbar, oder es gibt Patchbays, die fix gepatched sind – unveränderbar.

Normalisierungs-Arten

Verwendet man nun einen Hardpatch gibt es noch mehrere Möglichkeiten der Art des Hardpatches. Die gängigsten sind „halb-normalisiert“ und „voll-normalisiert.“

Voll-Normalisiert

Beim „Voll-Normalisierten“ Hardpatch steht einem das Signal nur einmal zur Verfügung. D.h. steckt kein Patchkabel in der oberen und unteren Buchse, so wird das Ausgangssignal wie oben beschrieben an den unteren Patchpunkt durchgeschleift. Greift man nun an der oberen Buchse das Signal ab, so wird der Hardpatch unterbrochen und das Signal liegt nun an dem anderen Ende meines Patchkabels an und kann irgendwo anders hin geleitet werden.

Steckt man in die untere Buchse ein Patchkabel, so wird der Hardpatch auch unterbrochen. Dies macht z.B. Sinn bei Mikrofoneingängen vom Mischpult. Wenn man wo anders her dort was einspeisen möchte, aber auch zufällig am Patchpunkt darüber ein Signal anliegt, vermeidet man Störungen, Fehler oder sogar Zerstörung der Vorverstärker.

Halb-Normalisiert

Beim „Halb-Normalisierten“ Hardpatch wird dieser nur beim Einstecken in die untere Buchse unterbrochen. Steckt man in die obere Buchse ein Patchkabel, so wird das Signal trotzdem an den unteren Patchpunkt durchgeschleift. Gleichzeitig liegt das Signal an dem anderen Ende meines Patchkabels an. Das Signal steht somit zweimal zur Verfügung. Man kann es dort abgreifen und parallel in den Eingang eines weiteren Gerätes schicken.

Offene Ausführung

„Offen“ bedeutet einfach – kein Hardpatch. Der obere und der untere Patchpunkt haben von sich aus keine Verbindung.

Parallel-Verbindung

Diese Art des Hardpatches stellt eine Vervielfachung des Signals dar. Die Patchpunkte sind so miteinander verbunden, dass an mehreren Buchsen das gleiche Signal anliegt, und zwar egal an welchen der betroffenen Punkte mein Input Signal anliegt.

Ich hoffe wir konnten euch ein bisschen in die Welt der Patchbays versetzen und es war was Nützliches für den ein oder anderen dabei. Im Anschluss noch ein paar Bilder von unseren Lötsessions und unserer Patchbay. Wir haben 6 Stck. 96er TT-Patchbays voll bestückt. Das macht 6 x 96 x 5 Lötpunkte = 2880 Lötpunkte. Und auf die andere Seite müssen auch noch die passenden Stecker. Geschätzt haben wir ca. 6000 Lötstellen zu bewältigen gehabt.

Bis bald zum nächsten Blogbeitrag

Simone und Thomas

 Patch1
all diese Kabel müssen nun irgendwo hingelötet werden.

 Patch2
es sieht mehr durcheinander aus als es ist. Wir haben alles im Griff 🙂

 Patch3
Lötpatchbay von hinten. Vorne befinden sich die TT-Buchsen.

Das wars erst mal wieder von der Soundhouse7 Baustelle.

Vergesst nicht, wenn euch dieser Blog gefällt, hier unten bei Facebook zu teilen und zu liken. Wir freuen uns immer über positive Resonanz. Wem es nicht gefällt oder dieser Blog nichts bringt weil er schon alles weiß, der kann es ja für sich behalten.

Viele lötende Grüße

Simone und Thomas
http://www.soundhouse7.de

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8 comments on “Patchbay – Was ist das? – Planung – Normalisierungsarten

  1. Fuffi says:

    Habt ihr echt gut geschrieben

  2. Fuffi says:

    Ach vielleicht noch ein kleiner Nachtrag zur Zeitplanung:
    Rechnet pro Patchbay zum löten (also Kabel einzeln sauber ablängen, vorverzinnen, löten, Zugentlastung, prüfen, …) locker mal einen Tag ein.
    Grüßle

  3. Soundhouse7 says:

    Danke Fuffi, Zeitplanung habe ich total vergessen :-)) ist aber echt nicht zu verachten. Selbst für gübte Lötmeister eine echte zeitliche Herausforderung.
     

  4. Jochen says:

    Darf ich erfahren, welche Patchbay (Hersteller) Ihr nun einsetzt? Was hältst Du von den Neutrik Patchbays? Lustig: hatte mich gerade vor zwei Tagen mit dem Thema bzgl. meines Racks in der Band beschäftigt … 😉
    Gurß,Jochen.

  5. Soundhouse7 says:

    Neutrik ist einer der besten Hersteller von Patchbays, Steckern, Buchsen u.s.w.Switchcraft ist aber auch zu empfehlen. 

  6. Oliver says:

    Hallo
    Ich habe folgende Frage:
    Mit einer Halbnormalisierten Patchbay kann das Signal verdoppelt werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die beiden Signale (gesplittet) von gleicher Qualität sind, wie das originale Signale?
    Bsp:
    Ich habe einen analogen Summierer. Nach dem Summierer tue ich gerne noch ein Pultec eq oder so, auf den 2-Bus. Theoretisch könnte ich dieses Singal in die Patchbay routen ( halbnormalisiert ). Somit würde ein Singal ( gesplittet) zurück in die DAW gehen und das andere gesplittete könnte meine Abhörmonitore speisen.
    Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dies Möglich ist? Qualitätsverlust??
    MfG
    Oliver

    Meiner Ansicht nach kann das jedoch nicht funktioniern. Wo liegt der Hacken?
    MfG Oliver
     
     

    Ich habe eine Frage:
    Bei einer halb-normalisierten Patchbay kann das Signal verdoppelt werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die beiden Signale (gesplittet) von gleicher Qualität sind, wie das originale Signale?
    Bsp: Ich habe einen analogen Summierer. Nach dem Summierer tue ich gerne noch ein Pultec eq oder so, auf den 2-Bus. Theoretisch könnte ich dieses Singal in die Patchbay routen ( halbnormalisiert ). Somit würde ein Singal ( gesplittet) zurück in die DAW gehen und das andere gesplittete könnte meine Abhörmonitore speisen.
    Meiner Ansicht nach kann das jedoch nicht funktioniern. Wo liegt der Hacken?
    MfG Oliver

    Ich habe eine Frage:
    Bei einer halb-normalisierten Patchbay kann das Signal verdoppelt werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die beiden Signale (gesplittet) von gleicher Qualität sind, wie das originale Signale?
    Bsp: Ich habe einen analogen Summierer. Nach dem Summierer tue ich gerne noch ein Pultec eq oder so, auf den 2-Bus. Theoretisch könnte ich dieses Singal in die Patchbay routen ( halbnormalisiert ). Somit würde ein Singal ( gesplittet) zurück in die DAW gehen und das andere gesplittete könnte meine Abhörmonitore speisen.
    Meiner Ansicht nach kann das jedoch nicht funktioniern. Wo liegt der Hacken?
    MfG Oliver
     
     
     

  7. Oliver says:

    Tut mir Leid, wollte es nicht 3 Mal!-)
    MfG
    Oliver

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