Herstellung einer Regiescheibe

Herstellung einer Regiescheibe für Tonstudios

Heute geht es um eine Möglichkeit zur Herstellung einer Regiescheibe für ein Tonstudio. Wie immer im Leben gibt es mehrere Vorgehensweisen. Die nun folgende Lösung ist aber die, welche man am häufigsten in der Studioszene antrifft.

Wäre es nicht toll, wenn man bei einer Recording-Session den Künstler und dieser auch den Tontechniker im anderen Raum sehen – und beide auch visuell kommunizieren könnten? Vorteilhaft ist es auch, wenn der Tontechniker bei Problemen diese schnell erkennen kann, wenn er vom Arbeitsplatz aus in den Aufnahmeraum einsehen kann. Event. ist das Mikrofon im falschen Abstand zur Schallquelle, oder der Künstler singt in die Off-Axis, oder das Kabel ist nicht eingesteckt… und und und.
Es gibt viele Vorteile für das Vorhandensein einer Regiescheibe. Die Alternative ist eine Videokommunikation. Diese kann aber nicht aller Bereiche der Vorteile einer Regiescheibe abdecken. Möchte man Videotechnisch den Aufnahmeraum genauso im Blick haben wie mit einer Regiescheibe, dann wird der technische Aufwand und die Anzahl der Kameras sehr hoch. In unserem Fall haben wir uns für beides entschieden. Da wir später auch Filmvertonung machen werden, brauchen wir eh Videosignale in allen Aufnahmeräumen und natürlich der Regie.

Nun aber zur Herstellung einer Regiescheibe:

Regiescheibe_gemauert
Alles beginnt mit einem leeren Loch. Schon in der Planung sollte einem selbstverständlich bewußt sein, wo und wie groß eine Regiescheibe vorhanden sein soll. Wählt die Größe bedacht aus. Man sollte vom späteren Arbeitsplatz den Aufnahmeraum gut einsehen können und auch in event. weiter entfernte Aufnahmeräume und folgende Scheiben sollte man noch Sichtkontakt haben.

Regiescheibe_Holz_Daemmung
Dann folgt die Raum-in-Raum-Konstruktion. Die einzelnen Schalen haben keinen Kontakt zueinander. Diesen Schritt haben wir aber schon in einem früheren Blog ausreichend beschrieben.

Regiescheibe_Gips_Tapeziert
Auch in den folgenden Arbeitsschritten wie Gipskartonmontage und Tapezieren bleibt die Scheibenaussparung nicht unbeachtet. Die Größe der Schalenaussparungen ist immer gleich der Größe der Rohwandaussparung.

Regiescheibe_Unterlage_Sylomer
Man hat nun die Möglichkeit für jede einzelne Schale einen Rahmen einzubauen. Dies ist auch die Grundregel des Raum-in-Raum Prinzips. Jedoch werden dann die Rahmen sehr schmal und man hat nicht mehr viel Spielraum, die Scheiben schräg zu stellen. Die spätere Schrägstellung der Scheiben trifft man sehr oft in Tonstudios an. Diese hat zwei wichtige Vorteile:
1. Schallreflektionen werden vom Abhörpunkt weggeleitet
2. Reflektionen zwischen den Scheiben werden weitestgehend vermieden.
Um eben einen größeren Spielraum zur Schrägstellung zu bekommen, haben wir uns entschlossen, nur 2 Rahmen in den 3 schaligen Aufbau einzubauen. Hierzu muss aber unbedingt der mechanische Kontakt zur mittleren Rohwand vermieden werden. Dazu haben wir auf die Zwischenwand je einen Streifen Sylomer gelegt. Auf diesen werden die Rahmen später lose aufliegen. Die Befestigung der Rahmen erfolgt nur in den äußeren Schalen.

Regiescheibe_Rahmen
Nun sind die Rahmen eingebaut. Man erkennt hier gut die 1cm breite Fuge. Die Rahmen haben keinerlei Kontakt.

Regiescheibe_Anschlagleisten
Nun werden Anschlagleisten an die Rahmen geschraubt. Diese dienen als späterer Anschlagspunkt für die eigentlichen Scheiben. Bis es aber soweit ist gibt es noch einiges zu tun.

Regiescheibe_Silicagel1
in die untere Fuge füllt man jetzt ein Trocknungsmittel. (Silica-Gel). Dieses verhindert die Entstehung von Kondenswasser zwischen den Scheiben. Der Zwischenraum zwischen beiden Scheiben ist später praktisch nicht mehr zugänglich. Somit ist auch ein Putzen oder Trocknen nicht mehr möglich.

Regiescheibe_Dampfsperre
Dann klebt man die Anschlagsleisten luftdicht ab. Dies verhindert das Eindringen von Wasserdampf zwischen die Scheibe.

Regiescheibe_Stoffbespannung
Jetzt füllt man den Zwischenraum zwischen den Anschlagsleisten mit absorbierenden Material und bespannt das Ganze mit Stoff. Vorteilhaft ist hier die Farbe “Schwarz”, da diese Lichtreflektionen zwischen den Scheiben verhindert.

Regiescheibe_Streichen
Jetzt streicht man den restlichen Rahmen auch schwarz. Ebenfalls wegen den Reflektionen.

Regiescheibe_Lieferung
Nun ist die Zeit der Scheibenlieferung gekommen. Am besten verwendet man zwei unterschiedlich schwere Scheiben. Damit hat jede Scheibe eine andere Resonanzfrequenz und man vermeidet dadurch einen Einbruch in der Dämmwirkung.

Regiescheibe_Einsetzen
Vorsichtig die Scheiben einsetzen und mit Silicon dicht einkleben.
Dann werden die Scheiben mit weiteren Halteleisten von außen fixiert.

Regiescheibe_fertig
Die fertige Scheibe. Es sind doch viele Arbeitsschritte nötig, bis die Regiescheibe dann so ausschaut – doch es lohnt sich.
Wir von Soundhouse7 wünschen euch ein frohes Nachbauen.

Alle weiteren Infos über uns findet ihr auf http://www.soundhouse7.de

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Bis zum nächsten Blog

Simone und Thomas
http://www.soundhouse7.de

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3 comments on “Herstellung einer Regiescheibe

  1. Gery Feind says:

    Starker Info-Text – Fand ich wirklich sehr interessant! Vielleicht kann ich ja mal bei Euch was einspielen.
     
    wieterhin viel Erfolg!
    LG Gery Feind

  2. Florian Braunacker says:

    Super, dass euer BauBlog wieder online ist. Hat mir schon sehr viel geholfen und funktioniert alles wirklich gut. Auch die Regiescheibe hat bestens funktioniert. Ihr seid einfach Top.
    demnächst komme ich mal 2 Tage zu euch hoch und will mir mal zeigen lassen wie man einen Song richtig geil mischt und welche Tricks ihr Profis so drauf habt.
    Viele Grüße
    der Flo

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