Der Wände-Bau beginnt – Teil 1

Der Wände-Bau beginnt – Teil 1 – Schwellen richten und setzten

Hallo zusammen und willkommen auf unserer Baustelle. Erst einmal freuen wir uns riesig über den enormen Anklang den unsere Aktion auslöst. Wir fühlen uns bestärkt weiter zu machen und uns noch mehr ins Zeug zu legen um euch interessante Möglichkeiten zum Thema Studiobau zu liefern.

In einem der vorhergehenden Blogs ging es um das Thema „Raum in Raum.“ Heute wollen wir euch zeigen, für welche Möglichkeit wir uns entschlossen haben dieses Prinzip an unserem Objekt umzusetzen.

Vier Dinge gab es prinzipiell bei der Planung zu beachten:

1. Finanzen

jeder möchte, glaube ich, schon einen super klingenden und dämmenden Musik oder Studioraum haben. Aber mal ehrlich, für was gebt ihr lieber Geld aus? Für den Raum oder für neues geiles Equipment oder Instrumente? – Klar oder? Natürlich letzteres. Also gilt im Punkto Finanzen die Devise – so wenig Geld ausgeben wie möglich – aber so viel wie nötig.

Daher gilt beim Bauen immer auch Alternative Low-Budget-Lösungen zu überlegen und manchmal auch auszuprobieren. Manchmal entstehen auch Mischformen wie gleich eine beschrieben.

2. Der Raumverlust

Jeder Einbau von Schalldämmtechnischen oder Akustischen Maßnahmen erfordert Platzeinbusen im Punkto Nutzfläche. Wir wissen aus langjähriger Erfahrung (über 22 Jahre) genau wie man ein Studio zumindest theoretisch baut. Doch neben den finanziellen Überlegungen sind es oft der drohende Platzverlust sei es in der Nutzfläche oder die schwindende Deckenhöhe die dem Sollzustand einen kompromissbetonten Ist-Zustand aufzwängt. D.h. wieder alternative Lösungen suchen oder einfallen lassen. Da aber wahrscheinlich nur die wenigsten von uns sich ein 100% ,nach allen Regeln und Formeln eingehaltenes Studio leisten können oder wollen, ist dieser Blog bestimmt eine tolle Anregung relativ günstig und Platz sparend ein supergeiles Ergebnis zu erzielen, welches einem High-End Profistudio vom Klang und der Funktion nicht weit entfernt ist.

3. Eigene handwerklichen Fertigkeiten

Entscheidend über Art und Ausführung der neuen Räumlichkeiten und die richtige Wahl des zu verwendeten Materials ist ganz sicher auch die eigene handwerkliche Geschicklichkeit. Der eine arbeitet lieber mit Metall – der andere lieber mit Holz – wieder ein anderer arbeitet gar nicht gerne oder kann es sich einfach nicht zutrauen.

Also, ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick sollte man schon mitbringen, oder man hat den einen oder anderen sehr guten Bekannten, der einem seine großzügige Hilfe anbietet.

Wer beides nicht besitzt ist dann wohl auf die Beauftragung von Fachfirmen angewiesen, was die Sache natürlich erheblich verteuert.

4. Die Gewährleistung der Funktionalität

Egal was ihr macht – wichtig am Ende ist, dass es funktioniert. Der kleinste Fehler in euren Berechnungen oder in der Ausführung macht die gesamte Konstruktion unwirksam und ihr hättet euch die viele Arbeit und vor allem das Geld sparen können. Gerade bei der Schalldämmung, die praktisch versteckt hinter und in der Wand verbaut ist kann man später nur mit enormen Zeit und Arbeitsaufwand später noch etwas ändern, wenn überhaupt. Beim Akustikbau später, der ja auf der Oberfläche der Wände und Decken stattfindet, kann man jederzeit etwas leichter noch Korrekturen oder komplette Änderungen vornehmen.

Nach Einholung vieler Angebote verschiedenster Trockenbaufirmen haben wir uns doch für die Eigenleistung entschlossen. Da die meisten unserer hier ansässigen Firmen mit Studiobau und Raum in Raum noch nie etwas zu tun hatten, haben diese glaube ich pauschal 50% Wagnis und Gewinn auf ihre Kalkulation mit draufgehauen. Ging also gar nicht.

Die Firma Knauff bietet seit einiger Zeit ein Raum in Raum System an. Es war sogar ein Herr von Knauff zur Besichtigung und Beratung da. Doch leider lassen auch Knauff ihr Patent teuer bezahlen. Jedoch das Prinzip habe ich mir abgeschaut und auf uns gemünzt umgestaltet um es a) selber machen zu können und b) mit Material mit dem ich mich auskenne.

Das Ziel:

Wir wollen einen Raum in einen bestehenden Raum bauen, der keinen festen mechanischen Kontakt zur äußeren Schale aufweist. D.h. die neu Raumkonstruktion muss selbsttragend und und stabil sein.

Unsere Lösung:

Wir haben uns dazu entschlossen die tragende Konstruktion aus KVH Holz (Konstruktionsvollholz) zu bauen, und die Zwischenräume mit einer Metallunterkonstruktion aus dem Trockenbau zu versehen. Als Profilstärke haben wir uns für die 100 mm entschieden um später die Wand mit 100 mm Mineralwolle füllen zu können.

Unser Kompromiss zum Thema Nutzflächenverlust ist ein Abstand der Vorsatzschale zur Mauer von 5cm. Bei unserer ursprünglichen Planung gingen wir noch von 10cm aus. Den geringeren Abstand wollen wir nun durch eine Steigerung des Gewichtes der Wand wieder weitestgehend ausgleichen. Durch Verwendung schwererer Gipsplatten und event. Einer vierten Lage Gipsbeplankung wo nötig. Dadurch haben wir gut 3 m2 mehr Nutzfläche pro Raum, was bei einer Raumgröße von 20m2 doch deutlich über 10% bedeutet.

Jetzt geht’s aber los:

Die Werkzeuge sind gerichtet und das Holz wurde geliefert – kann es also losgehen.

Wenn du auf einen Baum klettern willst – fange unten an! (Thi)

Nach dem Grundsatz dieses alten chinesischen Sprichworts fangen wir nun an die Bodenschwellen zu legen.

Länge messen – Holz ablängen – Verblattungen herausschneiden – Holzlatte für Auflage der späteren Gipsplatten anbringen – Trennstreifen aufnageln.

Damit sich nun jeder was unter den einzelnen Arbeitschritten etwas vorstellen kann, habe ich die Herstellung einer Schwelle mal mit Bildern dokumentiert:

Hier sieht man die bereits in der Länge angepasste Bodenschwelle. Vor den weiteren Schritten ist es ratsam diese einmal zur Probe an den dafür bestimmten Platz zu legen.

Schwelle_liegt_zur_Probe

Normalerweise würden die Gipsplatten später ebenfalls wie die Schwelle auf einer schwingungsdämpfenden Unterlage aufsitzen. Am besten dafür geeignet ist Sylomer.

Da dieses Material aber nicht ganz billig ist, haben wir uns ein paar Tricks einfallen lassen um hier einige 100 Euro zu sparen, ohne die Funktionalität zu beeinträchtigen.

Punkt1:

Eine Traglatte ca. 1cm von der Unterkante der Schwelle montiert soll später als Auflage für die Gipskartonplatten dienen. Weder die Latte, noch die Gipsplatten berühren somit später den Rohboden. Nur die Schwelle selbst liegt lose, ohne Verschraubung mit der Bodenplatte, schwingungsdämpfend gelagert auf Sylomer.

Latte_auf_Schwelle

So sieht ein 10cm breiter Streifen Solymer nach Lieferung aus. Dieses gibt es je nach Belastungsgrad in verschiedenen Farben und Stärken. Wir verwendeten Sylomer-Streifen SR 28/12 in Blau. Dies bedeutet – Dauerlast von 0,028 N/qmm und eine Stärke von 12 mm.

 Solymerrolle

Punkt 2 der Ersparnis:

Normaler Weise sollte die Schwelle vollflächig auf Sylomer gelagert werden. Doch mit den laufenden Metern wächst auch die Rechnung schnell in die Höhe. 500 bis 800 Euro an Sylomer ist man da schnell los. Daher haben wir uns entschlossen, die Schwelle nur punktuell, alle 80cm auf einem Sylomerpuffer zu lagern, und die entstehenden Schallbrücken zwischen den Puffern mit Mineralwolle zu füllen:

Hier 2 Bilder vor dem Einlegen der Schwelle:

 Solymer_auslegen1

 Solymer_auslegen2

Auf die Latte haben wir noch einen Trennstreifen genagelt, damit, falls die Latte den Estrich berühren sollte, dieser ein wenig gepuffert wird. Des Weiteren dient der ganze Aufbau als Abstandhalter zum Estrich, damit gewährleistet werden kann, dass unsere 3-fach Beplankung später noch Platz hat zwischen Schwelle und Estrich zu passen.

 Latte-auf_Schwelle_oben

Hier die fertig zum Einbau gerichtete Schwelle

 Fertige_Schwelle

Die Schwelle liegt nun an ihrem Platz. An Hindernissen muss natürlich die Schwelle angepasst werden. Übrigens, die Heizungsanschlüsse werden später nicht benötigt und verschwinden in der Wand. Ein Regieraum mit entsprechend vielen technischen Geräten braucht in der Regel keine Heizung. Wenn man allerdings etwas in der Wand versteckt, unbedingt darauf achten, dass nichts klappert oder sonstige Geräusche von sich gibt. Am besten die Ursache gleich beseitigen oder umkoffern und mit Mineralwolle isolieren. Die Löcher und Durchgänge später mit speziell schalldämmenden PUR Schaum oder Mineralwolle abdichten.

 Schwelle_liegt_Detail

hier noch ein paar Bilder von einer Verblattung, Detail eines Hindernisses und der liegenden Schwelle

Verblattung

Schwelle_liegt2

 Schwelle_liegt3

 Hindernisse_Verblattung

Soweit unser erster Teil zum Thema Wandbau. Im nächsten Blog geht es dann um Pfosten und die Oberschwelle.

Vergesst nicht, wenn euch dieser Blog gefällt, hier unten bei Facebook zu teilen und zu liken. Wir freuen uns immer über positive Resonanz. Wem es nicht gefällt oder dieser Blog nichts bringt weil er schon alles weiß, der kann es ja für sich behalten.

Viele Grüße

Simone und Thomas

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9 comments on “Der Wände-Bau beginnt – Teil 1

  1. Tom Sandner says:

    Hallo Thomas und hallo an das Soundhouse7 Team!
    Glückwunsch zu diesem Blog und Eurem tollen Studio. Wollte mal fragen,wie ihr das Sylomer berechnet habt und wieviel % es ausgelastet ist? Gibt’s dafür irgend ein Tool oder Formel? Danke für Eure Info.
    Viele Grüße Tom

  2. Carsten says:

    Hallo, erstmal auch Glückwunsch zum Blog und danke für die Mühen! Werde mich jetzt auch dran wagen und habe noch ein paar Fragen aber erstmal kurz zu Toms Frage oben … unter http://www.drummerforum.de/forum/25120-schlag-und-trittschall-schallschutzpodeste-f%C3%BCr-e-drums-faq/thread31.html?s=282f723b27e9ca12a643d94b6ddc0295a9553219#post1100282 hat der User Renegada das ganze sehr detailliert beschrieben (ein wenig hochscrollen……

    Nun zu meiner Frage: Ich plane das Ständerwerk auf den Fließestrich zu stellen da die im Estrich verlegte Fußbodenheizung bis an den Rand des original Raumes geht. Das Riskiko diese zu zerstören ist mir zu groß. Mein Ziel ist auch kein Studio sondern quasi eine vergrößerte Schlagzeugkabine. Aus den selben Gründen wie Ihr (Kosten) würde ich das gesamte Ständerwerk auch gerne nicht auf komplette Sylomerstreifen stellen sondern ebenfalls auf Pads (was für die Schwingungsentkopplung ja vollkommen ausreicht). Aber stellt der Zwischenraum (der mit Glaswolle aufgefüllt) nicht eine Schallbrücke dar? In Eurem Fall mit den eingelassenen Bodenschwellen weniger als bei mir aber dennoch ist dies doch eine Schwachstelle,oder? Ich würde in den Raum auch noch eine Art entkoppelten Boden einfügen der aber ja die Wände nicht berühren sollte ich also demnach auch nicht spachteln kann um den Anschluß Boden/Wand komplett dicht zu machen……..

    Ich hoffe ich konnte mich einigermaßen verständlich machen….
    Nochmals Kompliment!

    Gruß Carsten

    • soundhouse7 says:

      Hallo Carsten,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Um es kurz zu machen:
      Wenn du die Wände auf den Estrich stellst, hängt es davon ab, wie schwer deine ganze Wand/Deckenkonstruktion wird und wie stark der Estrich ist, ob der Estrich irgendwann brechen wird oder nicht.
      Zum unterlegen mit Sylomer muss man das Gewicht der zu tragenden Konstruktion berechnen und entsprechend das passende Sylomer auswählen. Wieviel man unterlegt? Nun es muss halt gewährleistet sein, dass die Schwelle an keinem Punkt den Boden berührt. Wenn sie das nicht tut, ist auh die in den Lücken eingebaute Mineralwolle kein Problem.
      Viele Grüße
      Thomas

  3. Carsten says:

    Hallo,
    danke für die schnelle Antwort. Darf denn der (entkoppelte) Boden die Wände berühren bzw sogar dicht abschließen? Wie habt Ihr den Boden-Wandanschluss realisiert?

    Gruß
    Carsten

    • soundhouse7 says:

      Hallo Carsten,
      Der Bodenbelag kann schon mit der Wand verbunden sein. Bei einer richtigen Raum in Raum Konstruktion bildet ja quasi Boden, Wand und Decke eine in sich, für sich stehende Schale, ein Raum, der praktisch vom restlichen Haus komplett entkoppelt ist. Der Boden ist ja schon durch den schwimmenden Estrich vom Haus quasi entkoppelt. Der Bodenbelag zählt zu dieser inneren Schale. Innerhalb dieser Schale darf man alles miteinander mechanisch verbinden. Man muss nur darauf achten, dass die komplette Schale an sich, also der Raum im Raum komplett vom restlichen Haus mechanisch entkoppelt ist.
      Hierzu fällt mir übrigens gerade ein, dass wenn du deine Wände auf den vorhandenen Estrich stellst du gar nicht unbedingt Sylomer zum unterlegen nehmen musst, sondern da reicht der ganz normale Schaumstoffstreifen wie er im Trockenbau üblich verlegt wird, da ja die Wände auf dem Estrich stehen und der Estrich wiederum durch die schwimmende Konstruktion entkoppelt ist. Wir dagegen haben ja die Wände auf den Rohboden gestellt, der wiederum ja mit dem Haus verbunden ist. Deswegen haben wir die Schwellen unterlegt. Aber wie gesagt, der Estrich könnte brechen. Einen gewissen Vorteil würde es nur noch bringen, wenn du den Fußbodenbelag und die Wände auf Sylomer lagerst, quasi nochmal eine zusätzliche komplette Entkopplungsebene schaffst. Dazu würde ich den ganzen Boden mit Sylomerpads verteilen und mit schweren, 5cm Spanplatten belegen. Darauf die Wände bauen und den Fußbodenbelag zur Vermeidung von Eigenresonanzen fest mit den Spanplatten verkleben.
      Ich hoffe ich konnte dir weiter helfen.
      Grüße
      Thomas

  4. Martin Schommer says:

    Hi. Super Infos hier. Bin begeistert. Eine Frage jedoch: Kann man statt Sylomer auch eine Antivibrationsmatte (2cm dick) als Unterlage der Schwelle verwenden? Beispiel: https://www.amazon.de/gp/product/B014MOTYVU/ref=oh_aui_detailpage_o00_s00?ie=UTF8&psc=1

    Diese scheint ziemlich stark belastbar. Wäre das effizient? Sprich, wenn die Antivibrationsmatte noch viel mehr Gewicht tragen könnte, als die darauf montierte Wand letztlich wiegen wird.

    MfG und Danke für Rückmeldung,

    Gruß, Martin

    • soundhouse7 says:

      Hallo Martin,
      ich habe keine praktische Erfahrung mit diesen Vibrationsmatten muss ich ehrlich gestehen. Jedoch glaube ich nicht, dass diese die gleiche oder eine vergleichbare Wirkung zeigen wie Sylomer. Sylomer ist wirklich ein hammermäßiger Wellentöter. Man kann mal einen Versuch machen. Einen Holzpfosten gegen eine Betonwand stellen, dazwischen einmal Sylomer und ein andere mal ein Stück Vibrationsmatte. Dann mit einem schweren Vorschlaghammer gegen das Holz schlagen und dabei mit der Hand an der Betonwand spüren wieviel Schwingung von dem Schlag mit dem Bello an der Betonwand ankommt. Ich habe diesen Versuch damals mit Sylomer gemacht, und ich habe an der Betonwand, sowie an einer 11er Zwischenwand (gemauert) nichts spüren können.
      VG
      Thomas vom Soundhouse7

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